Politik : Was macht die Welt?

Die Ärmsten streben nach Gewinn, und die Amis sind 300 Millionen

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Nordkorea ist mit dem Atomtest zur Nuklearmacht aufgestiegen. Der Beginn eines neuen Rüstungswettlaufs?

Nicht so schnell. Offenbar handelte es sich um einen fehlgeschlagenen Atomtest, der bloß eine Kilotonne statt der erhofften 40 an Explosivkraft erzeugt hat. Aber ein Weckruf war es auf jeden Fall. Die Last der Verantwortung liegt nun auf China und Moskau, die mit ihren Spielchen den „Lieben Führer“ begünstigten. Wenn die weiter echte Sanktionen verhindern, werden Nachbarn wie Japan umdenken. Schlimmer: Nordkorea hat sein Teufelszeug bislang an alle verkauft, die bezahlen konnten. Warum nicht auch an die Tschetschenen, sollte sich Putin fragen.

Friedensnobelpreis für Kleinkredite: Ist die Förderung von Kleinunternehmern eine Alternative zu abhängig machender Entwicklungshilfe?

Endlich eine weise Entscheidung. Entwicklungshilfe hat noch nie Entwicklung befördert, siehe Afrika, wo seit der Entkolonialisierung 300 Milliarden Dollar versenkt worden sind. „Microfinancing“, Kredite für Leute, die keine Sicherheit bieten können, setzt nicht auf Wohltaten für Regime, sondern auf das Gewinnstreben der Allerärmsten, die das größte Interesse an der Flucht aus dem Elend haben, aber nicht den Zugang zur Macht, der die Gelder überall in die falschen Taschen gelenkt hat.

Der Elitewettbewerb in Deutschland ist entschieden. Werden wir nun ein paar Universitäten bekommen, die mit den Angelsachsen mithalten können?

Harvard entstand 1636 und hat 300 Jahre gebraucht, um die Weltspitze zu erobern – übrigens mit der Hilfe von Adolf H., der die Tausende von Topleuten, die er nicht umbringen konnte, nach Amerika vertrieben hat. Stanfords Jahresbudget ist so groß wie das aller bayerischen Unis zusammen. Aber zumindest ein mentaler Anfang ist gemacht: die Unterscheidung zwischen Breiten- und Spitzenbildung, die nach 1968 zugunsten einer falsch verstandenen Egalität (und lascher Leistungskontrolle) eingestampft worden ist. Breitenbildung muss für alle da sein, Hochleistung ist grundsätzlich anti-egalitär. Der Wettbewerb, der die deutschen Unis nach 1871 zum Modell für den Rest der Welt gemacht, darf also wieder sein. Das, nicht die paar Millionen, ist der entscheidende Schritt. In 20, 30 Jahren werden wir vieles repariert haben, was seit 1933 zerstört worden ist.

Ein Wort zu Amerika …

Am Dienstag wird der dreihundertmillionste Amerikaner geboren. Als 1968 200 Millionen erreicht wurde, warnten hochrespektable Wissenschaftler vor kommenden Hungeraufständen in US-Städten. Heute sorgt sich der Westen nicht um Kalorienknappheit, sondern um Fettleibigkeit. Und in Europa wird es bald zu wenige junge Menschen geben. Die Moral? Lineares Denken ist töricht. Marx, der Dialektiker, war klüger als Malthus und der Club of Rome.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt bis Jahresende an der Stanford University. Fragen: clw

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