Politik : Was macht die Welt?

Wir müssen alles bestrafen, was falsch und pädagogisch schädlich ist

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In Deutschland darf der Holocaust nicht geleugnet werden. Nun will Frankreich die Leugnung des Genozids an den Armeniern verbieten. Sollte nicht auch die Leugnung der Klimakatastrophe unter Strafe gestellt werden?

Ja, und noch vieles mehr. Wer behauptet, Rauchen verursache keinen Lungenkrebs, sollte im Knast gezwungen werden, täglich drei Päckchen Filterlose zu rauchen. Wir sollten überhaupt alles unter Strafe stellen, was falsch oder volkspädagogisch schädlich ist. So verhindern wir nutzlosen Streit. Als Erstes müssen wir die naive Vorstellung verbieten, wonach die Wahrheit am besten im hellen Licht offener Diskussion gedeiht. Lass uns diese gesetzlich verordnen und so nach den Neonazis auch die Turkonationalisten bestätigen, die schon immer behauptet haben, Holocaust und Armenier-Mord seien Lügengespinste, die von den Feinden ihrer Völker erfunden worden sind.

Berlin ist pleite, der Bund aber will nicht zahlen. Was verrät uns die verarmte Hauptstadt über die Deutschen?

Vorweg, dass BRD und DDR jahrelang Abermilliarden in die Halbstädte gepumpt und dadurch eine Kultur der Abhängigkeit geschaffen haben. Selbstverständlich wird der Bund Wege finden, die Hauptstadt weiter zu alimentieren. Aber wir sollten uns an Washington erinnern – einst ein Subventionskaff, das auch noch schlecht und korrupt verwaltet wurde. Heute ist die Stadt eine Wachstumsregion – weil der Kongress sie gezwungen hat, anständig zu wirtschaften und richtige Bedingungen für Industrieansiedlung zu schaffen.

Vor einem halben Jahr prognostizierten viele Experten einen Ölpreis von über 100 Dollar pro Barrel. Nun sinkt er und sinkt, und der Dow Jones knackt die 12000er-Marke. Was taugen Vorhersagen in der Wirtschaft?

Nicht viel, weshalb die Anglos einen hübschen Wortwitz erfunden haben: Warum gibt es keine einhändigen Wirtschaftsexperten? Weil die immer sagen: „One the one hand – on the other hand”, zu Deutsch: „einerseits-andererseits“. Schlaue Ökonomen legen sich nie fest – genauso wie Wahrsager und Kaffeesatzleser.

Ein Wort zu Amerika …

Im Lande des „Raubtierkapitalismus“ ist gerade ein interessantes Urteil gefällt worden: Dick Grasso, Ex- Chef der New Yorker Börse (NYSE), muss hundert von insgesamt 187,5 Millionen Dollar Ruhestandsgelder zurückzahlen – unter anderem, weil er die Summe gegenüber dem Aufsichtsrat verheimlicht hatte. Man gönnt ja den Chefs ihr Einkommen, aber bei Grasso war’s besonders eklatant: Sein Gehalt stieg, derweil der Nettogewinn der NYSE fiel. Das ist Kleptokapitalismus. Mögen Deutschlands Dax-Vorstände und AR-Mitglieder das Urteil auswendig lernen.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt bis Jahresende an der Stanford University. Fragen: mal

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