Politik : Was macht die Welt?

Klimahysterie nützt nichts – und das Meckern über Jung langweilt

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Außenminister Steinmeier ist am Wochenende von seiner Rundreise durch die Diktaturen Zentralasiens zurückgekehrt. Was wollte er da überhaupt?

Grundsätzlich reisen die Steinmeiers gern ins Ausland, deshalb heißen sie ja auch AUSSENminister. Zweitens beschäftigt sich Außenpolitik nicht nur mit guten und edlen Ländern; dann gäbe es nicht viele Frequent-FlyerPunkte für den AA-Chef. Drittens ist Zentralasien nicht bloß touristisch interessant, sondern ein wichtiges Schachbrett der Weltpolitik. Hier gibt’s viel Öl und Gas, hier konkurrieren die Großmächte (USA und Russland) und die Möchtegern-Großmächte (Türkei, Iran, Pakistan) um Einfluss und Profit. Oder ganz schlicht: Wer Truppen in Afghanistan hat, muss sich mit geschärftem Interesse dem Umfeld zuwenden.

Ex-Weltbank-Chefökonom Nicholas Stern warnt vor den verheerenden Folgen des Klimawandels für die Weltwirtschaft. Werden jetzt auch die Kapitalisten grün?

Die erste Frage, die keiner mehr stellt, weil die Klima- zur Glaubensfrage geworden ist, müsste lauten: Hat Stern die richtigen Daten aufgeführt und sie richtig interpretiert? Einer, der solche Fragen hartnäckig wiederholt, ist Bjorn Lomborg, Autor des viel beachteten Buches The Sceptical Environmentalist. Er hat den Stern-Report am Mittwoch im „Wall Street Journal“ zerpflückt. Tenor: schlechte Empirie, schlampige Analyse, falsche Empfehlungen. Fazit: „Wir alle wollen eine bessere Welt. Doch sollten wir uns nicht in falsche Investitionen (im Klimaschutz) treiben lassen, nur weil uns Sensationsschlagzeilen in Angst und Schrecken versetzen.“

Totenschädel-Fotos in Afghanistan, israelische Jets provozieren die deutsche Marine, Nazi-Symbole auf KSK-Jeeps: Ist Verteidigungsminister Jung seiner Aufgabe gewachsen?

Das ist eine beliebte Standardfrage, welche die Medien noch bei jedem Verteidigungsminister, außer vielleicht Helmut Schmidt, aufgeworfen haben. Die Wiederholung macht sie nicht überzeugender. Welche Schuld trägt Jung an der Episode mit israelischen Kampfjets? Die haben auf dem Radarschirm eine „Signatur“ gesehen, die einer Drohne der Hisbollah glich (gleiches Flugtempo wie der Hubschrauber) und sind losgeflogen, um zu prüfen. Hier müssen Identifikationsmethoden her, die Missverständnisse ausschalten. Schädel-Fotos? Jung hat rasch reagiert, dito bei den KSK-Jeeps. Merke: Medienkritik ist noch kein Beweis für Inkompetenz; sonst müsste die gesamte Regierung zurücktreten.

Ein Wort zu Amerika ...

Am Dienstag, den Kongresswahlen, ist Zahltag für Bush, der mit Einbußen wegen seiner Irakpolitik rechnen muss. Möglich, dass die Republikaner das Unterhaus verlieren, aber den Senat knapp halten. Diese Wette gilt nur bis Dienstagnacht.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt bis Jahresende an der Stanford University. Fragen: SB

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