Politik : Was macht die Welt?

Irak: Das Chaos frisst sich weiter vor, der Krieg scheint verloren

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Ist Ségolène Royal Frankreichs Antwort auf Angela Merkel?

Ein Unterschied liegt in der Kür. Die Königliche ist von der gesamten Parteimitgliedschaft gewählt worden – mit gigantischen 60 Prozent. Das heißt, dass sie es einfacher haben wird gegen ihre Rivalen sowie diverse Landesfürsten, was man von der Kanzlerin nicht sagen kann. In einer anderen Hinsicht sind sie sich aber gleich, falls Royal Präsidentin wird. Beide regieren in politischen Systemen, die zutiefst konservativ im Sinne der Erhaltung des großzügigen Wohlfahrtsstaates sind. Viel Spielraum haben sie beide nicht. Andererseits: Der Standort D ist doch etwas wandelfreudiger als die Grand Nation, die gern auf die Straße geht (1789 ff), aber keine echte Revolution anzettelt. Auf die 1789er folgten Kaiser und Könige.

Wie geht’s weiter im Irak: noch mehr US-Soldaten, Abzug oder Dreiteilung?

Ein Bericht der CIA aus Bagdad besagt: „Das Schlachtfeld zerfällt in immer kleinere Gruppen, die gegeneinander um immer kleinere Stücke des Landes kämpfen.“ Ganz kurz: Das Chaos frisst sich weiter nach vorn. Die Demokraten wollen einen Zeitplan für die Verringerung, Bush sagt: Nein. Stattdessen plaudern sie in Washington jetzt von einer Annäherung an Iran. Aber warum sollten die Chomeinisten hinhören? Ihnen ist ein geschwächtes Amerika viel lieber, damit sie ungestört ihre Großmachts- und Atompläne verfolgen können. Der Rauswurf von Don „Rummy“ Rumsfeld hat Bush keine Erleichterung verschafft.

Die Wahl im Kongo ist vorbei, der Sieger steht fest: Ist die Mission für die Bundeswehr beendet?

Das wäre das erste Mal, dass eine Mission so schnell und unblutig beendet werden könnte. Jede Friedensmission von Bosnien bis Afghanistan konnte bislang noch nicht erfolgreich beendet werden, weil eine fremde Truppe die Gewaltgründe nur ersticken, nicht beseitigen kann. Deshalb sei Zweifel angemeldet, ob die Rivalen des Gewählten jetzt fein stillhalten und die Fremdtruppen mit Blumen und Fähnchen aus dem Land geleiten.

Ein Wort zu Amerika...

Ein Anzeichen für verloren gehende Kriege ist es, wenn die Generalität damit beginnt, die Schuld auf die Politiker abzuwälzen. Gerade hat US-Oberbefehlshaber Abizaid dem Kongress mitgeteilt, dass die Militärs recht behalten haben mit ihrer Forderung nach massiver Truppenverstärkung nach Ende der „größeren Kampfhandlungen“ (Bush) im April 2003. Der damalige Armeechef Shinseki wurde daraufhin von Rumsfeld verhöhnt und etwas später geschasst. Abizaid hat vorsorglich auch den Demokraten den Schwarzen Peter zugeschoben, indem er sich gegen jegliche Verringerung aussprach. Etwa: „Wenn ihr die durchdrückt, ist die Niederlage die eure.“

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt bis Jahresende an der Stanford University. Fragen: mal

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