Politik : Was macht die Welt?

Von der Naivität Bakers und der Balz im Büro

-

Mit dem Baker-Bericht kommt der Realismus zurück in die US-Außenpolitik. Ist die Idee vom Demokratie-Export damit auch am Ende?

Welcher Realismus spiegelt sich denn in den Empfehlungen? Mit Iran und Syrien reden, wenn es Iran darum geht, die USA aus der Region zu vertreiben und die Bombe zu kriegen? Und Syrien darum, seine Oberherrschaft über den Libanon bescheinigt zu bekommen? Beide Preise kann und sollte Amerika nicht entrichten, und deshalb zeugen die Empfehlungen von einer Naivität, die rührend wäre, wenn sie nicht von Establishment-Figuren wie Baker käme. Die zweite Idee – Abzug, auch wenn Bagdad die Sicherheitslage nicht in den Griff bekommt, – könnte geradewegs aus Schilda kommen. Wer wird noch mit der Regierung oder den USA zusammenarbeiten, wenn er weiß, dass in x Monaten die Dschihadis und Milizen die Oberhand haben? „Realismus“ ist nicht identisch mit Weisheit.

Frank-Walter Steinmeier jettet ständig durch den Orient. Soll Deutschland auch noch den Nahostkonflikt lösen?

Reisen ist immer gut, weil: man redet ja nur, sagt aber nix. Es ist eine Form der Aufmerksamkeits-Produktion, die nicht viel kostet und gut in die Tradition deutscher Nahostpolitik passt. Genscher und Fischer waren auch andauernd unterwegs, doch bekanntlich sind die Probleme des Nahen Ostens etwas hartnäckiger, als dass sie mit den weichen Instrumenten der Reisediplomatie angepackt werden könnten. Reisen sind ein effizientes Mittel, um dabei zu sein, ohne harte Entscheidungen treffen oder jemanden verärgern zu müssen.

Nun tauchen auch noch Nacktbilder von EU-Kommissar Günter Verheugen und seiner Kabinettschefin am FKK-Strand auf. Muss er zurücktreten?

Wo trifft denn unsereins einen möglichen Liebhaber, wenn nicht im Büro? Wir haben doch jenseits der Arbeit, die unser Leben ist, gar keine Zeit, um auf die Balz zu gehen. Besser, wir erledigen das eine zusammen mit dem anderen; das schafft Synergien. Außerdem lernt man bei der Arbeit die/den Zukünftige/n besser kennen als in der Disco. Schließlich: Verliebte Kollegen sind meistens angenehmer als knochenharte Junggesellen, die sich nur um sich selber kümmern oder gar kontaktunfähig sind. Aber: besser nicht nackt ab einem gewissen Alter.

Ein Wort zu Amerika …

Amerika wird zur BlackBerry-Nation. Die kleinen Dinger, mit denen man e-mailen und telefonieren kann, haben sich im letzten Jahr fast verdoppelt, von 3,6 auf 6,2 Millionen. Und die Kids werden sauer, weil die Eltern nun das machen, was sie selber seit langem in ihrem SMS-Wahn tun. Wer von Teenies genervt wird, könnte den Blagen sagen: „Geschieht euch recht.“

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt bis Jahresende an der Stanford University. Fragen: clw

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar