Politik : Was macht die Welt?

Mehr Truppen bringen wenig im Irak, aber Merkel bewegt viel in Washington

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Angela Merkel war gerade bei George W. Bush. Sind diese beiden, die deutsche Kanzlerin und der US-Präsident, die zur Zeit wichtigsten Akteure auf der internationalen Bühne?

Der US-Präsident ist immer ein Hauptakteur. Die Kanzlerin ist es auf Zeit, weil die Konkurrenz so schwach ist. Chirac ist out, Blair on the way out. Putin betreibt Machtpolitik im „nahen Ausland“, der Chinese Hu macht ebenfalls reine Interessenpolitik, flankiert von rasanter Aufrüstung, aber leise, um sich nicht zu früh mit den USA anzulegen. Leider steht auch Ahmadinedschad im Zentrum der Bühne; hoffentlich verschwindet er bald aus demselben.

Teddy Kollek war einer der letzten Politiker aus Israels Aufbaugeneration. Gibt es aktuelle israelische Politiker, die an das Format der Alten – etwa Rabin, Peres, Begin, Scharon und Dayan – heranreichen?

Teddy Kollek war nie ein nationaler Politiker, wollte und konnte es nicht sein. Er war der klassische Bürgermeister, einer, der fast 30 Jahre lang regiert hat, was ein Weltrekord (in einer Demokratie) ist. Ein Stadtoberhaupt lebt davon, Konflikte minutiös auszutarieren: Jeder kriegt etwas, niemand so viel, wie er will – damit das Gleichgewicht der Eifersucht intakt bleibt. Davon gibt es in Jerusalem zuhauf: zwischen Sekten und Religionen, Völkern und Parteien. Beispiel: Als ein Bürokrat die vier Freiluft-Tische eines arabischen Cafe-Besitzers nach innen (wg. Verkehrsstörung) verbannte, ging „Teddy“ hin und gab den Salomon: zwei drinnen, zwei draußen.

Kommende Woche will Bush seine Irakpläne bekannt geben. Könnten noch mehr Truppen eine Lösung sein?

Wofür? Wer ist denn der Feind? Das können die Amerikaner nur herausfinden, indem sie ein Patrouille losschicken und registrieren, wer gerade auf sie schießt. Wie können da 30 000 mehr eine Entscheidung herbeikämpfen? Die (gerechtfertigte) Hinrichtung von Saddam widerspiegelt das Problem perfekt. Es war ein Racheakt der Schiiten, so gemein wie chaotisch. Wie kann so nationale Versöhnung wachsen? Die US-Truppe kann nur noch eines tun: Syrien, Iran und (womöglich) die Türkei davon abschrecken, das Land unter sich aufzuteilen.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Merkel zeigt wieder einmal ihre schlafwandlerische Sicherheit in derselben, während sie in der Innenpolitik „Neo-Kohlismus“ praktiziert: austarieren und aussitzen. Sie weiß, dass das euro-amerikanische Verhältnis repariert werden muss und hat daher eine intelligente Initiative ergriffen, die den Interessen beider Seiten dient: ein transatlantischer Wirtschaftsverbund, der nicht Unmögliches wie den Agrarhandel anpeilt, sondern ein gemeinsames Regelwerk, das kostspielige Reibereien bei Investitionen, „intellektuellen Besitzrechten“ oder Sicherheitsstandards bei Autos beseitigt.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: clw

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