Politik : Was macht die Welt?

Gegen unbekannte Gegner kämpfen und zehn Sekunden lachen

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Präsident George Bush will mehr Truppen in den Irak schicken. Ist das der Einstieg in den Ausstieg?

Nicht für George W. Doch „too little, too late“ lautet der Spruch eines US-Offiziers, der bis vor kurzem jene irakischen Truppen ausgebildet hat, die den Amerikanern die Bürde der inneren Sicherheit abnehmen sollen. Wenn man nicht weiß, wer der Feind ist – mal die „Mahdi-Armee“ des Schia-Extremisten Muktada al Sadr, mal al-Qaida-Terroristen, mal Sunni-Milizen –, hilft auch die beste Armee nichts. Am schlimmsten aber: Die Gegner kämpfen in ihrer Heimat, die Amerikaner in einem Land, das ihre Sicherheit nur indirekt tangiert. Jene bleiben, diese werden irgendwann abziehen – und alle wissen es. Andererseits stehen im weiteren Mittelost-Rahmen gewaltige amerikanische Interessen auf dem Spiel, zumal die Eindämmung des chomeinistischen Imperialismus. Also: Umgruppierung (etwa zum Grenzschutz) ja, Totalabzug nie. Mittelost ist wichtiger als es Vietnam war.

Im Kino läuft Dany Levys „Mein Führer“: Gibt es eine neue deutsche Sehnsucht nach einer leichteren Geschichte?

Haben sich die Deutschen nicht schon über „Der große Diktator“ amüsiert, der nach Kriegsende in die hiesigen Kinos kam? Dieser unübertroffene Chaplin-Film zeigt, dass die Levys noch ein bisschen an ihrem Genie-Quotienten arbeiten müssen. Den GröFaZ zum Psychopatienten zu machen, den Über-Schurken zum Opfer, ist so witzig wie Heimvideos über Leute, die die Treppe runterkullern – der Gag trägt zehn Sekunden. Aber die deutsche Fernsehnation lacht ja auch bei Stefan Raab und „Mainz bleibt Mainz“. Mithin möge man an „Mein Führer“ keine größeren philosophischen Betrachtungen knüpfen.

Europa hängt am Hahn von Gasprom. Können wir uns mehr Distanz zu Putin überhaupt erlauben?

Deutschland ist nicht Weißrussland, und schon gar nicht ist die EU ein armes, isoliertes Ländchen. Im Fall Weißrussland schrillt der Alarm lauter als je zuvor. Das Problem ist nicht der Preisdisput; der ist legitim. Besorgnis muss der russische Stil erwecken: die Brutalität der Machtausübung, die aller guten Nachbarschaft Hohn spricht. Mehr Distanz zu Putin tut gut, noch besser eine Pipeline von Aserbaidschan nach Westeuropa, die leider dem Schröder-Eon- Ostseeprojekt zum Opfer gefallen ist.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik....

Demnächst fährt Angela Merkel zu Putin; gut, dass sie mit ihm nicht in die Sauna gehen kann. Bei der Gelegenheit sollte sie dem Neo-Zaren all die Interessen verdeutlichen, die für Russland in der EU auf dem Spiel stehen – nach der Devise: Gute Interessenpolitik ist vor allem auch gute Nachbarschaftspolitik. Dass Merkel systematisch die atlantische Beziehung stärkt, die Schröder hat verkommen lassen, ist ebenfalls sehr nützlich im Spiel der Mächte.

Der Autor ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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