Politik : Was macht die Welt?

Warum Deutschland die größte Macht auf Erden ist – einstweilen

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Angela Merkel bringt Schwung in die Nahostdiplomatie. Mehr Symbolik als Substanz?

„Mehr Symbolik“ ist eisernes Gesetz demokratischer Außenpolitik. Früher wurden vertrackte Probleme einfach ignoriert; heute würde niemand wie Lord Palmerston zugeben: „Nur drei Leute haben je das Schleswig-Holstein-Problem verstanden. Der eine ist tot, der Zweite in der Klapsmühle, und der Dritte bin ich, aber ich habe es vergessen.“ Heute wähnen Politiker, dass sie alles anpacken, also zeigen müssen, dass sie sich sorgen und mühen. Da die hundert Probleme des Nahen Ostens aber noch übler sind als das einzige von Schleswig-Holstein, nützen solche Initiativen nicht viel, was auch Condi Rice bei ihrer Reise entdeckt hat. Hier ist ein zweites eisernes Gesetz: Die Probleme der Region werden nie und nimmer von außen, sondern nur von innen gelöst werden. Leider haben die Lokalis derzeit andere Interessen als den Frieden.

Nun hat auch China bewiesen, dass es Satelliten abschießen kann. Droht ein Wettrüsten im All?

Wettrüsten ist doch immer; das machen sogar wir friedliebenden Deutschen, wenn wir vom Tornado auf den Eurofighter umsteigen. Jedes Land will auf dem Stand der Technik sein und sich gegen neue Bedrohungen wappnen. Trotzdem war der Test sehr dumm von den Chinesen, weil wir im Raketenzeitalter genau wissen müssen, was auf der anderen Seite abläuft, und zwar, um so Kriege aus Ignoranz oder Irrtum zu vermeiden. Wird da ein Raketenstart vorbereitet oder nur der Bunker repariert? Wer Satelliten abschießt, will den Gegner blind machen. Und der wird dann umso blindwütiger auf den Knopf drücken, weil er nicht mehr weiß, was ihm geschieht.

Mahmud Ahmadinedschad schmiedet neue Bündnisse in Südamerika. Warum schaut die US-Regierung tatenlos zu?

Trotz seiner bizarren Rhetorik liefert Chavez brav Öl aus Venezuela in die USA, die auch sein bester Lieferant von Importen sind. Den provokativen Unsinn, den Chavez verbreitet, muss eine Supermacht schon ertragen können. Schlimmer wird es, wenn Chavez wie einst Castro seine „Revolution“ in die Nachbarschaft exportiert oder sich gar auf bewaffnete Abenteuer einlässt. Dann wird die Operette zur Offensive, und dann wird Washington nicht mehr ganz so gelassen sein.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik ...

Die ist bis 30. Juni die größte Macht auf Erden, hält sie doch sowohl die EU-Präsidentschaft als auch den Vorsitz in der G 8. Das heißt aber auch, dass die Berliner allen (grob geschätzt) 27 000 Sitzungen vorsitzen müssen, die in diesen sechs Monaten anfallen. Mit anderen Worten: Die deutsche Außenpolitik ist gelähmt, weil Steinmeier und Kollegen an drei Orten zugleich sein müssen. Ab 1. Juli wird alles wieder gut.

Der Autor ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal

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