Politik : Was macht die Welt?

Für die Terrorbrigaden im Irak könnte es bald heißen: Auf nach Afghanistan!

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I rak und Afghanistan: Der Westen steckt in Schwierigkeiten. Welches Land hat die bessere Perspektive?

Der Dschihadismus konzentriert sich derzeit auf Irak, weshalb Afghanistan noch nicht richtig im Feuer ist. Zweitens gibt es dort noch die Stammeskräfte der „Nordallianz“, die sich keineswegs auf die Rückkehr des Totalitär-Talibanismus freuen. Schließlich herrscht in Afghanistan noch kein Krieg aller gegen alle. Mithin sind die Chancen dort besser – bis zum US-Rückzug aus dem Irak. Dann heißt es für die Terrorbrigaden: „Auf nach Afghanistan!“

Die Stimmen mehren sich, Russland langfristig in die Nato aufzunehmen. Eine gute Idee?

Was heißt „langfristig“? Wenn der Messias kommt? Russland agiert wieder als expansive Macht – im Gleichschritt mit steigenden Ölpreisen. Die Ex-Sowjetrepubliken werden kujoniert, die Westeuropäer an ihre Abhängigkeit erinnert. In Nahost munitioniert Moskau die Gegner des Westens, Iran und Syrien, und über jene deren Klienten im Irak sowie Hisbollah im Libanon und Hamas in Gaza. Im Sicherheitsrat verhindert es echte Sanktionen gegen Teheran und befördert so indirekt dessen Atombombenprojekt. Mächte, die ihren Vorteil im Nachteil des Westens sehen, haben in der Nato nichts zu suchen.

Zum dritten Mal seit seinem Amtsantritt ist Chinas Staatschef Hu Jintao nach Afrika gereist. Kauft Peking die Ressourcen des Schwarzen Kontinents auf?

China verhält sich wie eine aufsteigende Großmacht aus dem 19. Jahrhundert: Ressourcensicherung durch Besitz statt durch marktgerechtes Verhalten. Hoffen wir, dass diese Analogie hier ihr Ende nimmt. Denn weiland haben sich die Aufsteiger (Deutschland, Japan) bald mit den Platzhirschen (England, USA) angelegt – mit den bekannten Folgen, die wir als Weltkrieg I und II kennen. Hoffen wir also, dass die Chinesen diese Dynamik ebenso gut verinnerlichen wie das Wesen der Globalisierung im 21. Jahrhundert, wo sich Handel und Wandel freundlicherweise von der großen Politik abgekoppelt haben und sich am gemeinsamen Gewinn orientieren. Hu sollte Lenin umdrehen: Kontrolle ist gut, Vertrauen (in den Markt) ist besser.

Ein Wort zum deutschen Außenminister...

Steinmeier hat in der Affäre Kurnaz viel Zuspruch von den Großgenossen, etwa von Schröder und Schily, erhalten, und die haben sich gegen die Mehrheit in den Medien gestellt. Dies nicht nur wegen der Staatsräson, die ein liberaler Mensch höchst misstrauisch beäugt, sondern auch, weil das Volk nicht versteht, weshalb sich Berlin mehr für einen türkischen Terrorverdächtigen einsetzen möge als dessen eigene Regierung, die Kurnaz nicht haben wollte. Lasst uns auch mal ein paar kritische Kommentare gegen Ankara schreiben.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal

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