Politik : Was macht die Welt?

Einen Deal mit den Russen und keinen Deal mit den Iranern

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Offensive des Terrors: In Algier und im Irak verwüsten Bomben die Zentren der Macht. Was kann der Westen dem entgegensetzen?

In Algerien gar nichts; dieser Krieg läuft seit einer Generation. Wenn es richtig ist, dass hinter dem jüngsten Blutbad ein Ableger der Al Qaida steht, dann sieht es noch schlimmer aus, hat doch „Al Qaida im Islamischen Maghreb“ verkündet, Frieden werde es erst dann geben, wenn überall der wahre Islam herrscht. Also Apokalypse zuerst. Etwas heller sieht es im Irak aus, wo neuerdings sunnitische Gruppen die Kampfgemeinschaft mit der Qaida aufkündigen, weil ihnen (etwa den alten Saddam-Kämpen) der Fundamentalismus nicht passt. Hier tut sich eine Gelegenheit auf: ein Deal mit den Sunnis, der die Qaida isoliert und dezimiert.

Irans Präsident hat die britischen Soldaten nach Verhandlungen freigelassen. Kann man doch mit ihm reden?

Ja doch, wenn man bereit ist, den Preis zu zahlen. Hinter dem „Verhandlungserfolg“ der Briten stehen Konzessionen der Amerikaner hinsichtlich der gefangenen Republikaner-Gardisten im Irak, die dort den Terrorkrieg mitbetrieben. Die Zentner an Zuckerbrot von Russland und EU haben das Anreicherungsprogramm nur beschleunigt, also fällt einem zum Reden nichts mehr ein. Teheran will die Bombe, Punkt. Entweder man schlägt ihr die aus der Hand oder lernt, mit ihr zu leben. Die Israelis verlegen deshalb einen Teil ihrer Abschreckungsmacht unter See, die Amerikaner bauen Raketenabwehrsysteme.

Die Ukraine versinkt innenpolitisch im Chaos. Sollte die EU endlich mit dem Land über einen Beitritt reden?

Die Verlockung des Beitritts hat sehr gut funktioniert im postfaschistischen Spanien und Portugal, hat auch die exsowjetischen Länder in Osteuropa stabilisiert. Der Ukraine eine Perspektive zu bieten, könnte ähnlich wohltuend wirken. Die Osteuropäer wurden allerdings während einer russischen Schwächephase in den 90ern aufgenommen. Heute wird sich die EU hüten, in ein Land vorzudringen, das Putin als ureigene Einflusssphäre für sich reklamiert. Wir bauen also lieber Pipelines als Brücken. Schade für die Ukrainer.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik...

Verteidigungsminister Jung befürwortet gemessenen Wortes einen Raketenschutzschild für Europa, freilich im Zusammenspiel mit Russland und der ganzen Nato. Moskau an den Tisch zu bitten, ist gar nicht so dumm. Entweder die Russen setzten sich im Blick auf Iran mit der Nato in ein gemeinsames Boot, oder sie machen weiter mit ihrer Teile-und-herrsche-Politik. Im letzteren Fall würden sie zu erkennen geben, dass es ihnen nicht um die Sicherheit ihrer Angriffswaffen geht, sondern um die Verunsicherung Europas im politischen wie strategischen Sinne. Das wäre nicht nett, aber erhellend.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos

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