Politik : Was macht die Welt?

Auf die Putin-Klone warten und weder „-phil“ noch „-phob“ sein

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Wladimir Putin geht erneut auf Konfrontationskurs zum Westen. Müssen wir den bald scheidenden Kremlherrscher noch ernst nehmen?

Natürlich, zumal sein Nachfolger eine Art Putin-Klon sein wird. Der neue Kurs hat auch nichts mit Personen zu tun. Nach 15 Jahren Niedergang meldet sich Russland wieder als Großmacht zurück, und Putin muss baff gewesen sein, als er merkte, wie schnell die politische Klasse Westeuropas auf seine antiamerikanische Rhetorik in der Raketenfrage eingeschwenkt ist. Diesen Spalt werden Putin und Erben weidlich zu nutzen und zu erweitern versuchen.

Deutschland hat seinen Minimilitäreinsatz in Südsudan verlängert. Im benachbarten Darfur geht das Morden aber weiter. Kann die Welt den Völkermord tatsächlich nicht beenden?

Jein. Die humanitäre war stets mit der Machtfrage verknüpft. Bislang hat vor allem China echten Druck auf Khartum verhindert. China nimmt dem Sudan den Hauptteil seines Öls ab und liefert im Gegenzug den Löwenanteil der Waffen. Nun aber hat Hu Jintao, der Präsident, den Kollegen Baschir dazu „ermuntert“, 3000 Blauhelme ins Land zu lassen, derweil Bush mit verschärften Sanktionen droht. Die UN-Soldaten sollen im Oktober eintreffen, aber der schlaue Baschir fordert von der Truppe ein „afrikanisches Gesicht“ – wohl wissend, dass die Afrikaner weder die Spezial- noch die Fallschirmtruppen für einen ernsthaften Einsatz haben. Und wenn sie je nach Darfur kommen, werden sie einen Landstrich besetzen, der sich nicht mehr selber ernähren kann.

Am Mittwoch findet die nächste große Islamkonferenz statt. Verglichen mit anderen westlichen Ländern: Sind die Deutschen eher islamophil oder islamophob?

„WmdW“ weiß weder mit dem einen noch dem anderen Schlagwort etwas anzufangen. „-phob“ bezeichnet eine irrationale, zerfressende Angst, die man den Deutschen bestimmt nicht nachsagen kann; „-phil“, also ebenso unbedingte Liebesgefühle, auch nicht. Stattdessen gibt es die gar nicht so irrationale Sorge, dass in unseren Städten integrationsunwillige Parallelgesellschaften entstehen, in denen Terroristen wie „Fische im Wasser“ schwimmen könnten. Eine Islamkonferenz ist nett, besser ist eine Politik, die Arbeit und Aufstiegschancen schafft. Dann kommt die Integration von allein.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik ...

Außenpolitik ist Innenpolitik, n’est-ce pas? Die eine Hälfte unserer Regierung, die SPD, dürfte sich kaum freuen, wenn am 6. Mai Mme. Royal das Rennen macht. Ihr Programm ist kaum von dem der Linkspartei zu unterscheiden, weshalb ihr Sieg den Lafos und dem linken Flügel der SPD gewaltigen Auftrieb verleihen und den Regierungsgenossen das Leben in der Koalition noch schwerer machen würde. Beck muss für einen Sarkozy-Sieg beten.

Der Autor ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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