Politik : Was macht die Welt?

Sarkozy fordert Merkel, und Steinmeier soll der bessere Beck werden

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Sarkozy, Brown, Merkel heißt das neue europäische Trio.Wohin führt es uns?

Erst mal nirgendwohin, aber gut, dass Sie „Trio“ und nicht „Triumvirat“, also „Dreimännerherrschaft“ gesagt haben – wegen Angie. Erstens wissen wir sehr wenig über Gordon Brown, der hat bislang nichts Erhellendes über Außenpolitik gesagt. Zweitens Sarkozy, dessen (Wider)Sprüche erst noch sortiert werden müssen. Er hat im Wahlkampf gegen die Europäische Zentralbank und den Türkeibeitritt gelärmt, etwas leiser gegen die EU-Verfassung. Das ist der nationalistische Teil der Agenda. Dann aber spricht er von einem weltoffenen Frankreich, das sich reformieren und globalisieren, die antiamerikanischen Reflexe zügeln und etwas mehr Abstand zu Russland einhalten will. On verra, wie „schaunmermal“ auf Französisch heißt. Schließlich Merkel: Die wird es mit „Sarko“ einfacher haben als mit Chirac, aber ihr Thron als De-facto-Queen Europas wird labiler. Denn was die beiden Jungs auszeichnet, ist ihr großes Ego. Der Rivalitätspegel wird steigen.

Bush gerät wegen des Irak auch durch Parteifreunde unter Druck. Wie lang kann er sich einem Rückzug verweigern?

Bis zum 22. Januar 2009, da wird der neue Präsident inthronisiert, wird er schon durchhalten, und das hat mit der Verfassung zu tun. Der Kongress sitzt zwar auf dem Staatssäckel, aber der Präsident kann sein Veto gegen Haushaltsgesetze einlegen, das nur mit einer Zweidrittelmehrheit ausgehebelt werden kann. Außerdem: Wollen die Demokraten (die Kongress-Mehrheit) mit der Frage leben: „Who lost Iraq?“ Das wird ein kompliziertes Ballett in den nächsten 18 Monaten, dessen Ausgang „WmdW“ nicht vorauszusagen wagt.

Die Themen des G-8-Gipfels in Heiligendamm sind Armut, Afrika, Klima. Was können Globalisierungsgegner dagegen haben?

Nichts, aber das ist nicht der Punkt bei globalen Partys wie G 8, Davos oder Weltbank-Gipfeln. Hier geht es um das knappe Gut der Aufmerksamkeit für allerlei Kräfte, die sich befugt fühlen, die Welt zu retten. Wo sich sonst in Szene setzen, wenn nicht bei solchen Events, wo Tausende von Journalisten auf Interessanteres warten als auf das Abschlusskommuniqué?

Ein Wort zum deutschen Außenminister …

In der stets überhitzungsbereiten Berliner Szene wird neuerdings spekuliert, ob nicht Frank Steinmeier den besseren SPD-Kandidaten für die Kanzlerschaft als Kurt Beck abgeben könnte. Dazu dieser knappe Kommentar von Tina Hildebrandt („Zeit“): „keine Philosophie, keine Streitlust, kaum Charisma“. Aber sagt nicht die „meinende Klasse“ genau das über Kurt Beck? Historische Fußnote: Der einzige Außenminister, der es nach 1949 ins Kanzleramt geschafft hat, hieß Willy Brandt. Bei Stresemann lief’s andersherum: erst Reichskanzler, dann Chefdiplomat der Weimarer Republik.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos

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