Politik : Was macht die Welt?

Rot-grüne Lebenslügen – und ein russischer Ex-Knut in Samara

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Paul Wolfowitz muss seinen Weltbank-Job räumen. Eine Strafaktion für einen prominenten Irakkriegs-Fürsprecher?

Da haben viele ihr Süppchen gekocht: Europäer, die den Irakkrieger los werden wollten, die Weltbank-Bürokratie, die den Reformer nicht mochte. Und der große böse Wolfie war nicht besonders schlau. Der Ethikausschuss hatte den Deal mit seiner Freundin Shaha Riza abgesegnet, sie wurde zum State Department abgeordnet. Der Karrierebruch musste kompensiert werden, also wurde sie in die nächste Gehaltsklasse befördert – mit einem Plus, das im Mittelfeld der „H-Klasse“ lag: 50 000 Dollar mehr statt des Maximums von 100 000 Dollar. Von der „H-Klasse“ gibt es an die 1000 Weltbanker, nichts besonderes also. Bestraft werden musste W. für seine Blödheit: Nicht er, sondern der Ethikausschuss hätte den Deal aushandeln müssen. Fazit: Die Bushies wollten lieber den Posten für die USA als ihren eigenen Mann retten.

Daimler stößt Chrysler ab. Sind die Deutschen unfähig, eine Welt-AG zu führen?

Es ist ein Menetekel für die „Deutschland-AG“. Deren ineinander verflochtenen Aufsichtsgremien hätten die „Geldvernichtungsmaschine” Jürgen Schrempp frühzeitig stoppen sollen. Die Aufsicht hätte wissen müssen, dass an jeder US-Autofirma Milliarden an künftigen Pensions- und Krankenkosten hängen, dass zwischen einem Massen- und Premium-Produkt kaum Synergien fließen – von der Übersättigung des Massenmarktes ganz zu schweigen. Nicht das Vaterland hat versagt, sondern dessen Vorstands- und Aufsichtsratskultur.

Heiner Geißler und andere warnen vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm vor einem Überwachungsstaat. Ist die deutsche Demokratie gefährdet?

Überhaupt nicht. Dies ist kein Mielke- Staat, sondern einer, der auf konkrete Bedrohungen verhältnismäßig reagiert. Da werden nicht Gedankenverbrechen aufgestöbert, sondern Gewaltbereite gestoppt – auf einer Breite von 200 Metern vor dem Sicherheitszaun. Haben die G-8-ler nicht auch ein Recht auf Versammlungsfreiheit? In der ewigen Abwägung zwischen deinen und meinen Freiheiten ist die räumliche Trennung im Schatten der Gewalt das kleinste Übel.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik ...

Der Tod der drei Soldaten in Afghanistan rüttelt brutal an der Lebenslüge deutscher Interventionspolitik seit Rot- Grün: überall dabei sein (Kosovo, Afghanistan, Libanon), aber nicht im Feuer. Soldaten sind keine Entwicklungshelfer, wer das glaubt, betreibt Augenwischerei. Der Grüne Jürgen Trittin hat recht: „Der Anschlag darf nicht als Argument dazu dienen, den Stabilisierungsprozess abzubrechen.“ Oder will irgendjemand „Taliban II“ in Afghanistan?

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: SB

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