Politik : Was Rechtlosigkeit von Frauen mit Nahrungsknappheit zu tun hat

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Florence Sekabanja hat einen vielsagenden Satz über Uganda geschrieben: "Agrarkultur ist eine Lebensweise, ihr Gerüst ist das Patriarchat, ihre Seele sind die Frauen." Florence Sekabanja ist Mitarbeiterin beim regierungsunabhängigen Council for Economic Empowerment of Women in Africa. Im neuen Jahrbuch für Welternährung hat sie das Kapitel "Uganda: Strukturanpassung in einer Männergesellschaft" verfasst. Sie beschreibt, warum das Land zwar eine Art Musterschüler von Weltbank und Internationalem Währungsfonds ist, gleichzeitig aber die jährliche Nahrungsmittelproduktion seit 1994 rückläufig ist, was die Ernährungssicherheit bedroht. Eine Ursache dafür liege in dem Zusammenhang von niedriger Produktivität und Geschlechterverhältnis in den bäuerlichen Haushalten. Die Frauen sind zwar die Seele des Landes, sie haben aber keine Rechte.

Uganda ist ein klassisches Agrarland, 95 Prozent des Landbaus werden von kleinbäuerlichen Haushalten mit einer Nutzfläche zwischen 0,2 und fünf Hektar betrieben. Frauen leisten von klein auf 70 Prozent aller Arbeiten. Sie bearbeiten das Land mit herkömmlichen Methoden und Hilfsmitteln wie Hacke, Sichel und Axt, doch das Land gehört ihnen nicht. Nach dem dort herrschenden Gewohnheitsrecht erben Frauen kein Land. Zugang und Verfügung über Land können sie nur von Gnaden männlicher Verwandter oder des Ehemanns bekommen. 1995 hat Uganda zwar die Gleichheit von Mann und Frau in der Verfassung verankert, aber das Gewohnheitsrecht hat mehr Gewicht.

Auf Grund des traditionellen Rechts sind 84 Prozent der Landeigentümer männlich: ihnen gehören die besseren Böden und die größeren Flächen. Frauen leben in permanenter Unsicherheit, denn der Ehemann, der ihnen ein Stück Land zur Verfügung stellt, kann dieses verkleinern, wenn er sich eine weitere Frau nimmt. Im Fall einer Scheidung kann die Frau von Feld und Hof vertrieben werden. Männer arbeiten kaum auf dem Feld, aber sie sind Entscheidungsträger. Banken geben Frauen keine Kredite, zudem werden Frauen von Informationen über Geschäfts- und Betriebspraktiken ausgeschlossen. Die wirtschaftliche Liberalisierung hat zwar zu höheren Preisen für Nahrungsmitteln geführt, doch den Erzeugerinnen kommen diese oft nicht zugute.

Florence Sekabanja resümiert: "Die patriarchalischen Strukturen sind durch die wirtschaftliche Liberalisierung nicht verändert worden."Jahrbuch Welternährung. Hrsg. von der Deutschen Welthungerhilfe. Fischer-Verlag. 223 Seiten, 19.90 DM.

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