• Was Tony Blair beim Thema Vaterschaftsurlaub von seinem finnischen Kollegen Lipponen lernen kann

Politik : Was Tony Blair beim Thema Vaterschaftsurlaub von seinem finnischen Kollegen Lipponen lernen kann

Claudia von Salzen

Die Väter stärker in die Pflicht zu nehmen - das ist das Ziel des Gesetzentwurfes aus dem Bundesfamilienministerium. Auch Cherie Blair möchte ihren Mann Tony gern an ihrer Seite sehen, wenn ihr viertes Baby geboren wird. Ob der britische Premierminister einen kurzen Vaterschaftsurlaub nehmen soll, darüber ist in Großbritannien eine öffentliche Debatte entbrannt. Denn es wäre nicht nur eine private Angelegenheit, sondern ein symbolischer Akt: Ein gesetzlich verankertes Recht auf Vaterschaftsurlaub gibt es in Großbritannien nicht. Frauengruppen fordern seit langem einen Elternurlaub, der beiden Partnern für 13 Wochen die bezahlte Abwesenheit vom Arbeitsplatz erlauben soll. Die Regierungsgeschäfte müsste der britische Premier nur für eine oder zwei Wochen niederlegen - und würde damit doch ein Zeichen gesellschaftlichen Fortschritts setzen.

Seine Frau Cherie hat ihm bereits öffentlich ein "leuchtendes Beispiel" zur Nachahmung empfohlen: Der finnische Ministerpräsident Paavo Lipponen hat Mitte März einen sechstägigen Babyurlaub genommen, weil er bei seiner Frau und dem neugeborenen Kind sein wollte. Während des Vaterschaftsurlaubs bekam er das staatliche Erziehungsgeld und verzichtete auf seine Einkünfte als Ministerpräsident.

Bereits 1998 hatte der Sozialdemokrat, der das Land seit 1995 regiert, zur Geburt seines Babys eine Woche Vaterschaftsurlaub genommen. Im Juni vergangenen Jahres registrierte die europäische Öffentlichkeit mit Erstaunen, dass Lipponen zu einem nordischen Gipfel in Island sein Baby mitbrachte - und demonstrativ mit dem Tragekorb in der Hand die Gangway des Regierungsflugzeugs hinunterstieg.

Zum Dank dafür, dass er sich so deutlich für den Vaterschaftsurlaub eingesetzt hatte, erhielt Lipponen als erster Mann den Gleichstellungspreis einer spanischen Frauenorganisation. "Ich habe während meines Vaterschaftsurlaubs gemerkt, was für ein großes Interesse er im Süden Europas geweckt hat", sagte der finnische Ministerpräsident im vergangenen Jahr. Nun stellt sein Beispiel auch seinen Kollegen Tony Blair vor eine schwierige Situation.

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