Politik : Was wurde aus Freya Klier

Robert Ide

Im Zuge der Wende in der DDR standen sie vor zehn Jahren plötzlich im Rampenlicht. Fast täglich sah man sie in den Zeitungen und im Fernsehen. Viele von ihnen kennt inzwischen kaum noch jemand. Sie haben sich ins Private zurückgezogen, machen Politik in der zweiten Reihe oder sind in ihre alten Berufe zurückgekehrt. Der Tagesspiegel stellt täglich ein "Gesicht der Wende" vor und sagt, was aus den Akteuren von damals geworden ist.

Freya Klier wurde wegen ihres oppositionellen Engagements 1988 aus der DDR ausgebürgert. Seit der Wende beteiligt sie sich an der Debatte um die Aufarbeitung der DDR-Geschichte. Als Kind hingegen tat sie alles, um in der DDR nicht anzuecken. Ende der fünfziger Jahre sang sie mit Begeisterung Pionierlieder und beschimpfte ihren Vater als "Bonner Ultra", weil er Westradio hörte. Doch am Ende des sozialistischen Bildungsweges bekam auch die gebürtige Dresdnerin immer mehr Probleme. Nach Abschluss des Abiturs scheiterte sie 1968 mit einem Fluchtversuch und landete im Gefängnis. Ihr Schauspielstudium in Sachsen und ihre Regielehre in Berlin wurden von Gängeleien begleitet, ebenso ihre anschließende Tätigkeit als freischaffende Schauspielerin.

In den achtziger Jahren wechselte Freya Klier offen zur oppositionellen Szene. Sie engagierte sich in der autonomen Friedensbewegung und in der "Solidarischen Kirche", bis sie 1985 mit einem Berufsverbot belegt wurde. Von da an tingelte sie mit ihrem damaligen Mann Stephan Krawczyk durch Kirchengemeinden, um sich unabhängig vom Staat ein Publikum zu erspielen. Nach der Teilnahme an der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration im Januar 1988 mit oppositionellen Transparenten wurde Klier aus der DDR hinausgeworfen. Trotz ihres damaligen Protests will sich Klier nicht als "Bürgerrechtlerin" bezeichnen lassen. Für sie ist politisches Engagement auch zehn Jahre nach dem Umbruch selbstverständlich. Klier machte Schlagzeilen, als sie Gregor Gysi öffentlich als Spitzel bezeichnete und als sie gerichtlich gegen ihren Ex-Anwalt in MfS-Diensten, Wolfgang Schnur, vorging. Die Publizistin und Regisseurin, die derzeit ihren fünften Dokumentarfilm fertigstellt, mischt sich auch mit publizistischen Beiträgen regelmäßig in ostdeutsche Debatten ein. Auf Lehrerseminaren wendet sie sich gegen eine "Romantisierung" der DDR. Die Aufarbeitung der Vergangenheit will die 49-jährige Mutter nicht ihren Kindern überlassen: "Das sollten wir selber machen."

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