Politik : Was wurde aus Josef Duchac?

Matthias Meisner

Im Zuge der Wende in der DDR standen sie vor zehn Jahren plötzlich im Rampenlicht. Fast täglich sah man sie in den Zeitungen und im Fernsehen. Viele von ihnen kennt inzwischen kaum noch jemand. Sie haben sich ins Private zurückgezogen, machen Politik in der zweiten Reihe oder sind in ihre alten Berufe zurückgekehrt. Der Tagesspiegel stellt täglich ein "Gesicht der Wende" vor und sagt, was aus den Akteuren von damals geworden ist.



Zur Zeit der Wende dachte Josef Duchac wohl nicht im Traum daran, dass er knapp ein Jahr später Ministerpräsident des wieder gegründeten Bundeslandes Thüringen werden würde. In der CDU war er eine lokale Größe, schon vor der Wende hatten ihn die Parteifreunde zum Vorsitzenden des Kreisverbandes Gotha gewählt. So schnell habe er mit dem Umbruch in der DDR nicht gerechnet, sagt der 61-Jährige heute. "Sehr ängstlich" sei er in den Oktobertagen 1989 gewesen. Den Mauerfall betrachtet er dennoch als "Ausdruck des Sieges und der Freiheit".

Besser als die meisten hatte es Duchac verstanden, die Zeichen der Zeit zu erkennen. In der DDR hatte er sich nach eigenen Worten "gut eingerichtet, wenn auch mit allen Schwierigkeiten, die ein CDU-Mann hatte". Der Historiker Christian von Ditfurth formuliert es anders: "Duchac war kein Mitläufer. In ihm entdecken wir den Prototypen des Blockparteifunktionärs, der alles daran setzte, sich der SED anzudienen." Der gelernte Chemie-Ingenieur, der sich in der DDR bis zum Betriebsleiter des Gummiwerkes Waltershausen hinaufarbeitete, philosophierte vor der Wende über das "unerschütterliche Fundament des Sozialismus". Nach der Wende erklärte er: "Man kann ein Volk eben nur eine begrenzte Zeit täuschen und bevormunden." Heute sagt Duchac, er habe sich in der DDR nur "am Rande" politisch engagiert. Er fügt hinzu: "Ich war kein Widerstandskämpfer." Zum Widerstand gegen das SED-Regime bekannte er sich erst, als das Regime schon längst gestürzt war.

Von Herbst 1990 bis Januar 1992 war Duchac Ministerpräsident von Thüringen - protegiert vom letzten DDR-Ministerpräsidenten de Maiziere. Zunehmend wuchs der Druck: Unter anderem werden ihm regelmäßige Auftritte als "Clown Ferdinand" vor der Stasi zur Last gelegt. Die Partei ließ ihn auch nach seinem Rücktritt nicht fallen. Als Repräsentant der Konrad-Adenauer-Stiftung war er in Lissabon und St. Petersburg. Heute vertritt er die CDU-nahe Stiftung in Budapest. Übersichtsseite zum 10. Jahrestag des Mauerfalls

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