Politik : Was wurde aus ... Karl-Heinz Ducke?

Regina Villavicencio

Im Zuge der Wende in der DDR standen sie vor zehn Jahren plötzlich im Rampenlicht. Fast täglich sah man sie in den Zeitungen und im Fernsehen. Viele von ihnen kennt inzwischen kaum noch jemand. Sie haben sich ins Private zurückgezogen, machen Politik in der zweiten Reihe oder sind in ihre alten Berufe zurückgekehrt. Der Tagesspiegel stellt täglich ein "Gesicht der Wende" vor und sagt, was aus den Akteuren von damals geworden ist.

Monsignore Karl-Heinz Ducke gehörte zu denen, der mithalfen im Wende-Herbst die Idee des Runden Tisches in der DDR umzusetzen. Sie stammte ursprünglich aus Polen und der Tschechoslowakei. Der Unterschied, den die Ostdeutschen um Ducke machten: In Berlin setzen sich nicht nur Bürgerrechtler an den "Zentralen runden Tisch", sondern auch die bisherigen Machthaber. Am 7. Dezember 1989 kamen zur ersten Runde 14 Parteien, politische Gruppierungen und Organisationen zusammen. Gemeinsam mit Oberkirchenrat Martin Ziegler und Pastor Martin Lange moderierte Prälat Ducke im Auftrag der katholischen Kirche die Versammlung bis zum März 1990. In dieser Funktion erwies sich der damalige Direktor der Studienstelle der Berliner Bischofskonferez, aus der später die Katholische Akademie hervorging, einmal mehr als jemand der zuhören und vermitteln kann, der aber auch resolut in den Diskussionsprozess - wenn nötig - eingreift.

Mit einer weiteren Moderatorenaufgabe kam der Kirchenmann allerdings nicht so gut zurecht. Die SFB-Talk-Show "Berlin Mitte", die er als erster katholischer Priester im deutschen Fernsehen zusammen mit Claudi Schreiner übernommen hatte, gab er schon nach vier Sendungen wieder auf. Inzwischen arbeitet Ducke im MDR-Rundfunkrat mit.

1991 ging der promovierte Moraltheologe schließlich von Berlin nach Jena und leitet seither die mit rund 5000 Mitgliedern größte ostdeutsche katholische Gemeinde. "Wir sind hier eine lebendige Pfarrei, die durch Zuzüge aus dem Westen bunt gemischt ist." Die Seelsorge als Pfarrer in einer Gemeinde zieht er noch immer einer akademischen Laufbahn vor.

Obwohl längst Pfarrer in Thüringen, wurde Ducke dennoch regelmäßig nach Potsdam gerufen. Dort arbeitete er zusammen mit Generalsuperintendent Bransch als Vertrauensperson für die Stasi-Überprüfung der Landtagsabgeordneten.

Zehn Jahre nach dem Mauerfall und mit seinen Jenaer Erfahrungen kritisiert Karl-Heinz Ducke insbesondere, dass im Prozess der deutschen Einheit mit der Subsidiarität ein wichtiges Prinzip der katholischen Soziallehre vernachlässigt worden sei. Das heißt: "Der Staat hat seine Schutzpflicht gegenüber der ostdeutschen Bevölkerung verletzt, weil die Strukturen, um Verantwortung zu übernehmen, nicht vorhanden waren. Das bedeutet, dass das Soziale der sozialen Marktwirtschaft zu sehr ein Anhängsel wurde."

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