Politik : Was wurde aus ... Wolfgang Berghofer?

Ralf Hübner

Im Zuge der Wende in der DDR standen sie vor zehn Jahren plötzlich im Rampenlicht. Fast täglich sah man sie in den Zeitungen und im Fernsehen. Viele von ihnen kennt inzwischen kaum noch jemand. Sie haben sich ins Private zurückgezogen, machen Politik in der zweiten Reihe oder sind in ihre alten Berufe zurückgekehrt. Der Tagesspiegel hat in den vergangenen Wochen solche "Gesichter der Wende" vorgestellt. Mit Wolfgang Berghofer endet diese Serie.

Sie nannten ihn "Bergatschow". Vor zehn Jahren galt der Dresdner Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer als Hoffnungsträger. Verdient hatte er sich diese Abwandlung seines Namens in den Abendstunden des 8. Oktober 1989, als er Demonstranten auf der Prager Straße eigenmächtig Gesprächsbereitschaft signalisierte. Das war zu jenem Zeitpunkt couragiert und beendete, von Dresden ausgehend, die Gewalt auf den Straßen. Die Staatsmacht war erstmals zurückgewichen, das Rad der Geschichte begann sich zu drehen.

Den Untergang des Sozialismus wird Berghofer dabei nicht vorhergesehen haben. Ihm ging es wohl mehr darum, den Unmut seiner Bürger zu kanalisieren. Berghofer verkörperte eine neue Generation von DDR-Führungselite, mehr sozialistischer Manager, weniger Funktionär, ideologisch desillusioniert. Seine Beteiligung an Wahlfälschungen 1989 hat er vor Gericht ohne Umschweife eingräumt. Die kaputten Dächer in Dresden hätten ihm damals mehr Kopfzerbrechen bereitet.

Zu diesem Realismus mag ihm ein Besuch 1986 in Westdeutschland verholfen haben. Statt des erwarteten verdreckten Ruhrgebiets sah der DDR-Kommunalpolitiker eine "blühende Oase", sauber, mit einer intakten Infrastruktur. In der Villa Hügel traf er gesprächsbereite Politiker und Unternehmer. Das passte nicht ins SED-Weltbild. "Ich bekam dort jenen Schock, den andere erst 1989 erlebten", wird er später erzählen.

Jener gute Draht in den Westen hat ihm geholfen, als er 1990 aus der PDS ausschied und in die Wirtschaft wechselte. Jetzt arbeitet er als Unternehmensberater in Berlin, offensichtlich mit Erfolg. Dabei meidet Berghofer das Licht der Öffentlichkeit, aber gelegentlich kokettiert er gern mit seinen guten Kontakten. Sogar das neue Dresdner VW-Werk, die "Gläserne Manufaktur", will er mit eingefädelt haben.

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