Politik : "Wasser. Rotbuch 3000": Kriege nicht ausgeschlossen

Franz H.u. Borkenhagen

Wasser ist ein Lebenselexier, eine der wichtigsten Ressourcen überhaupt. Mehr als sechs Milliarden Menschen sind auf Wasser angewiesen. Aber die Wassermenge ist unverändert die gleiche wie für die 200 bis 300 Millionen Menschen, die vor 2000 Jahren die Erde bewohnten. "Wasser ist der Inbegriff des Lebens und der menschlichen Aktivität", schreibt der Publizist und sicherheitspolitische Experte Wilhelm Sager.

Heute herrscht in weiten Teilen der Welt Wassermangel. Daraus ergeben sich zwangsläufig Nutzungskonflikte. Die Wasserknappheit sei eines der größten Sicherheitsrisiken für das 21. Jahrhundert. Sager hält sogar "Wasserkriege" für möglich, wenn es nicht gelinge, zu einer nachhaltigen Wassernutzung zu kommen.

Sager beschreibt das "Konfliktpotenzial Wasser" eindringlich. Der Sicherheitsexperte nimmt die natürlichen Gegebenheiten in den Blick, vom weltweiten Wasserangebot bis zur Niederschlagsverteilung. Dann wendet sich Sager den Erscheinungsformen des Wassermangels zu. Ausführlich widmet sich der Autor der Frage, welche Folgen die Bevölkerungsdichte, Verstädterung, Gesundheit und der ökologische Raubbau auf die Wasserversorgung haben.

Sager geht es vor allem um regionale Konfliktherde. Im Vordergrund stehen hierbei vor allem die Streitigkeiten, die sich aus der grenzüberschreitenden Wassernutzung ergeben. Die einseitige Ausbeutung von Euphrat und Tigris durch die Türkei und die Benachteiligung von Syrien und Irak sind ein Beispiel dafür. Die Wasserpolitik rund um das Jordanbecken, die Auseinandersetzung um den Nil, die Wasserprobleme um Ganges und Brahmaputra sowie die Interessengegensätze am Mekong fehlen nicht.

Nach Sagers Einschätzung wird das Problem unterschätzt: "Der Wassermangel entwickelt sich immer mehr zum globalen Problem. Nur wenige der am stärksten betroffenen Länder verfügen über ausreichende Mittel und technisches Know-how, um die Probleme aus eigener Kraft zu bewältigen." Der Streit um das Wasser verschärfe ohnehin vorhandene Krisen. Und vor allem verstärke die Knappheit die Benachteiligung armer und bevölkerungsreicher Regionen. Für Sager liegt es auf der Hand, dass dies zur Destabilisierung ganzer Regionen führt. Deshalb plädiert der Sicherheitsexperte dafür, die Wasserfrage zum Gegenstand internationaler Verhandlungen zu machen. So mühsam es auch sein mag, beispielsweise Nutzungsrechte an einem Fluss-System auszuhandeln, auf das konkurrierende Staaten Anspruch erheben. Absichtserklärungen sind Wilhelm Sager nicht mehr genug.

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