Politik : Wasser und Freundschaft am Nil

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Kairo - Ägypten ist ein Geschenk des Nils, formulierte bereits im 5. Jahrhundert vor Christi der griechische Historiker Herodot. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Im Land der Pharaonen regnet es praktisch nie. Leben und Wohlstand der heute 80 Millionen Einwohner hängen auf Gedeih und Verderb ab von den Fluten, die der längste Strom der Welt auf dem letzten Viertel seiner 6800 Kilometer langen Strecke mitführt. 95 Prozent der Bevölkerung drängeln sich im Niltal und Nildelta, die nur fünf Prozent der Staatsfläche ausmachen. Dennoch war bis vor kurzem für Ägypten und den Sudan die Wasserwelt in Ordnung. Nach Verträgen von 1929 und 1959 stand beiden Unterlauf-Staaten mit 87 Prozent der Löwenanteil des Flusses zu – Ägypten 55 Milliarden und Sudan 18 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Zudem hatte die britische Kolonialmacht Kairo ein Vetorecht gegen alle Bewässerungs- und Energieprojekte am Oberlauf zugesprochen – eine Regelung, die Äthiopien als Quellland des Blauen Nils nie anerkannte. Und inzwischen begehren auch die anderen Anrainer auf. Zunächst versuchten sie zehn Jahre lang erfolglos, im Rahmen der von der Weltbank unterstützten Nil-Becken-Initiative (NBI), Kairo und Khartum eine gerechtere Aufteilung des kostbaren Wassers abzuringen, vor zwei Wochen dann vereinbarten Äthiopien, Ruanda, Tansania und Uganda eine neue Konvention und setzten die beiden alten Abkommen einseitig außer Kraft. Kenia ist dem Pakt inzwischen ebenfalls beigetreten, Kongo und Burundi zögern noch.

„Dieser Vertrag ist für Ägypten rechtlich nicht bindend“, hieß es in Kairo. Ägypten und Sudan seien weitgehend auf das Flusswasser angewiesen, argumentiert man, während die Subsahara-Staaten ihren Wasserbedarf zu wichtigen Teilen auch aus Regen decken könnten. Die Länder am Oberlauf verstehen ihr Abkommen als Hebel, endlich mehr Verständnis für die eigenen Interessen durchzusetzen. Sie seien einverstanden, Großinvestitionen auch künftig mit Ägypten und Sudan abzustimmen, das Vetorecht aber müsse fallen. „Ägypten ist bereit, seinen afrikanischen Brüdern zuzuhören“, beschwichtigte Premier Ahmed Nazif und lud nach Alexandria ein. Denn auch Kairo weiß, dass die Weltbank für Nilprojekte ohne den Konsens aller Anrainer keine Mittel bewilligt. Martin Gehlen

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