Wasserkraftwerk : Tschetschenisches Bekennerschreiben stößt auf Skepsis

Die Katastrophe im russischen Wasserkraftwerk am Staudamm Sajano Schuschenskaja in Sibirien soll durch eine Bombe verursacht worden sein. Aber die russische Regierung bewertet ein Bekennerschreiben von Rebellen als "unsinnig".

Auf der Internetseite aufständischer Tschetschenen wurde am Freitag eine Erklärung veröffentlicht,  wonach es den Rebellen gelungen sei, eine Bombe im Maschinenraum des Staudamms zu legen. Das Attentat sei Teil einer neuen Strategie, im Kampf für die Unabhängigkeit des Nordkaukasus gezielt die russische Wirtschaft zu treffen.

Die Regierung in Moskau wies die Darstellung als unsinnig zurück. Bei dem Vorfall im größten russischen Wasserkraftwerk am Staudamm Sajano Schuschenskaja in Sibirien waren am Montag vermutlich mehr als 70 Menschen getötet worden.

In der Selbstbezichtigung behaupten die Rebellen, in der Maschinenhalle eine Panzerabwehrgranate mit einem Zeitzünder platziert zu haben. Deren Detonation habe mehr Schaden angerichtet, als sie gehofft hatten. Ein Vertreter der russischen Regierung bezeichnete die Erklärung der Rebellen als "idiotisch". Ermittler teilten mit, am Ort des Geschehens keine Spuren von Sprengstoff gefunden zu haben.

Zweifel meldeten auch Experten an, unter ihnen die auf den Nordkaukasus spezialisierte oppositionelle Journalistin Julia Latjina. Die Erklärung wäre glaubwürdiger, wenn sie kurz vor der Tat veröffentlicht worden wäre, sagte Latjina. Alexei Malschenko vom Moskauer Carnegie-Zentrum sagte, für die Rebellen wäre es viel zu schwierig, im unzugänglichen Sibirien einen derartigen Anschlag zu verüben. Das Schreiben bezeichnete er als "Propaganda".

Regierungschef Wladimir Putin sagte bei einem Besuch des Unfallorts in Sibirien am Freitag den Angehörigen der Opfer schnelle Hilfe zu. Bei dem Unglück war Wasser eines nahe gelegenen Stausees in die Anlage eingedrungen. Daraufhin stürzten eine Mauer des Kraftwerks sowie Teile des Daches ein. Am Freitag waren unter den Trümmern weitere Opfer entdeckt worden. Damit stieg die Zahl auf mindestens 30 Tote. Es gebe kaum mehr Hoffnung für die immer noch 45 Vermissten, sagte ein Sprecher der Kraftwerksverwaltung am Sajano Schuschensker Stausee.

Putin beriet vor Ort mit Politikern und Technikern darüber, wie die Energieversorgung des Gebietes nach dem Ausfall der seit 1978 betriebenen Anlage gesichert werden könne. Nach Angaben des Moskauer Umweltministeriums wurden aus dem Fluss Jenissei bisher mehr als 30 Tonnen Öl abgeschöpft, das nach der Havarie ausgetreten war.

Die tschetschenischen Rebellen bekannten sich auch zu einem Bombenanschlag gegen die Polizei in Inguschetien im Nordkaukasus, bei dem am Montag mindestens 25 Menschen getötet und 200 verletzt wurden. Ein islamistischer Untergrundkämpfer hatte vor dem Polizeihauptquartier in der Hauptstadt Nasran einen Kleinlaster explodieren lassen. Am Freitag hatten Aufständische ebenfalls in Nasran einen Polizisten erschossen. Die Gewalt zwischen russischen Einheiten und den islamistischen Rebellen hat deutlich zugenommen. Die Untergrundkämpfer streben eine Loslösung von Moskau und ein "Kaukasus-Emirat" an.

Quelle: ZEIT ONLINE

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben