Politik : WDR sperrt „Tatort“-Folgen seit 1994

Kurt Sagatz

Berlin - Nachdem die Innenrevision des Westdeutschen Rundfunks (WDR) bei zwei „Tatort“-Folgen den Verdacht von illegaler Schleichwerbung bestätigt hat, entschied der ARD-Sender am Dienstag, alle Filme der Produktionsgesellschaft Colonia Media, die für den WDR ab 1994 produziert wurden, zu prüfen und vorerst nicht auszustrahlen. Davon betroffen sind neben den WDR-„Tatorten“ die Reihen „Der Fahnder“ und „Schimanski“ mit Götz George.

„Wir werden die Produktionen nun in der Reihenfolge der geplanten Ausstrahlung überprüfen“, sagte WDR-Sprecher Rüdiger Oppers dem Tagesspiegel, stellte aber klar, dass es sich dabei um eine Vorsichtsmaßname handelt. „Ein konkreter Verdacht liegt uns nicht vor“. Die Prüfung betrifft die 13 neuen Folgen der Serie „Der Fahnder“, aber eben auch Erst- und Zweitausstrahlungen der anderen Produktionen. Insgesamt müssen sich die WDR- Prüfer neben der „Fahnder“-Reihe noch 38 „Tatorte“ sowie sämtliche 13 Folgen von „Schimanski“ ansehen, die nach der Ausgliederung aus der „Tatort“-Reihe entstanden.

In den beiden beanstandeten „Tatort“-Folgen aus Münster hatte es dem Prüfbericht zufolge Product Placement für die Landesbausparkasse LBS und die Versicherung LVM gegeben. In zwei weiteren Folgen soll ebenfalls Geld für Schleichwerbung geflossen sein, allerdings fanden die Prüfer keine beworbenen Produkte in den Filmen. Durch die besondere Verflechtung bei der Vermittlung der Schleichwerbung ist der Produktionsfirma ein Verlust von 109000 Euro entstanden, wie der WDR mitteilte.

Gegen den verantwortlichen Produzenten hat der Sender inzwischen Strafanzeige wegen Betrugs und Untreue gestellt. Der ehemalige kaufmännische Geschäftsführer von Colonia Media soll die Schleichwerbungsgeschäfte über eine ihm mehrheitlich gehörende Firma abgerechnet haben.

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