Politik : Wechsel bei Nordirlands Protestanten

Martin Alioth

Dublin - Über 600 Delegierte der Ulster Unionist Party (UUP) haben am Wochenende in Belfast einen Nachfolger für den Friedensnobelpreisträger David Trimble als Parteichef gewählt. Sir Reg Empey, ein Abgeordneter im nordirischen Parlament für den Wahlkreis Ost-Belfast und Ex-Wirtschaftsminister in der kurzlebigen nordirischen Regierung, erzielte aber mit 53 Prozent ein knapperes Ergebnis als erwartet. Mit seiner Wahl geht Trimbles Ära zu Ende, der zehn Jahre lang die dominierende Figur des protestantischen Lagers in Nordirland war.

Der 57-jährige Geschäftsmann Empey tritt ein schwieriges Erbe an. In der britischen Unterhauswahl Anfang Mai hatte die UUP eine Niederlage einstecken müssen und vier ihrer fünf Mandate in London eingebüßt, darunter auch Trimbles Sitz. Seither dominiert bei den Protestanten uneingeschränkt die radikalere Unionistenpartei von Pfarrer Ian Paisley.

Empey gilt als pragmatischer, farbloser Politiker. In der Schlussphase von Trimbles Parteivorsitz hatte er sich nicht durch bedingungslose Loyalität ausgezeichnet. Er verkündete nach seiner Wahl, er werde sich in der laufenden Legislaturperiode nicht an einer Koalitionsregierung mit der IRA-nahen Sinn-Fein- Partei beteiligen.

Beunruhigender dagegen erschien Empeys Ankündigung, er werde sich vorrangig mit dem Bewilligungsverfahren für protestantische Paraden und Umzüge beschäftigen. Seiner Ansicht nach werden die kulturellen Rechte und Traditionen der Protestanten derzeit nicht genügend gewürdigt. Die erneute Politisierung der Paraden, die gerade in diesen Tagen wieder ihren alljährlichen Höhepunkt erreichen, ist eine unerwartete Priorität für eine Partei, die sich als gemäßigt und versöhnlich darstellt.

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