Politik : Wegen Hitze: Berlin will Bauern helfen

Thomas Gack/Cordula Eubel

Berlin/Brüssel - Agrarminister Horst Seehofer (CSU) dringt angesichts der anhaltenden Hitze in Brüssel auf Erleichterungen für die deutschen Bauern. Sein Ministerium hat nun Anträge der Bundesländer weitergeleitet, die Ausnahmeregelungen für die Ernte auf so genannten Stilllegungsflächen fordern. Normalerweise dürfen diese Felder erst Ende August abgeerntet werden. Wegen der hohen Temperaturen wollen sich die Bauern in diesem Jahr aber das Winterfutter schon früher sichern. Die Europäische Kommission wird voraussichtlich in der nächsten Woche darüber entscheiden.

Stimmt Brüssel dem Antrag der Bundesregierung zu, könnten die Wiesen zusätzlich als Weiden oder als Grünfutterflächen genutzt werden. Getreideanbau ist so spät im Jahr dagegen nicht mehr möglich. Allerdings kann die EU-Kommission als Alternative auch den Anbau von Energiepflanzen wie Raps zulassen, der dann nicht als Lebens- oder Futtermittel verwendet werden darf, sondern zu Biodiesel verarbeitet werden muss.

In Brüssel rechnet man damit, dass andere Regierungen dem Beispiel der Berliner Regierung folgen werden und ebenfalls in bestimmten Gebieten stillgelegte Flächen nutzen wollen. „Wir werden das prüfen und dann vermutlich ein Paket mit allen betroffenen europäischen Regionen schnüren“, sagte ein EU-Beamter in Brüssel. Die Freigabe erfolgt nicht generell für ein Mitgliedsland, sondern nur für die am stärksten betroffenen Gebiete, in denen etwa die Niederschlagsmengen unter 50 Prozent des Durchschnittswertes liegen.

Die Bundesregierung hat in ihrem Antrag die von der Trockenheit besonders hart betroffenen Landkreise in Brandenburg, Sachsen, Thüringen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen benannt. „Wir kommen normalerweise diesen Vorschlägen nach. In den vergangenen Jahren ist das bei Trockenheit, aber auch nach den Überschwemmungen vielfach geschehen“, erklärte ein EU-Agrarexperte. Allerdings erwartet man in Brüssel trotz der Hitzewelle in Europa eine nur gering schlechtere Ernte. Mehr Sorgen machen den Agrar- und Umweltexperten die ständig knapper werdenden Wasserreserven im Süden Europas. Die von der EU in Auftrag gegebene Satellitenbeobachtung von Gewässern und Agrarflächen hat ergeben, dass es in diesen Regionen vor allem im Frühjahr wieder viel zu wenig geregnet hat . In der Toskana, im Latium und in Sardinien, in Katalonien und Südfrankreich droht die schwerste Trockenheit seit 30 Jahren.

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