Wegen Kreditaffäre : Nur die Hälfte vertraut Wulff noch

Die Kreditaffäre um Bundespräsident Christian Wulff spaltet die Deutschen. Einen Rücktritt fordern aber die wenigsten.

Christian Wulff bei der Beerdigung des früheren tschechischen Präsidenten Vaclav Havel.
Christian Wulff bei der Beerdigung des früheren tschechischen Präsidenten Vaclav Havel.Foto: dpa

Einer Umfrage zufolge haben 51 Prozent der Bürger großes oder sehr großes Vertrauen in das Staatsoberhaupt, 48 Prozent dagegen nur noch geringes oder gar kein Vertrauen. 50 Prozent sind davon überzeugt, dass Wulff seine Ämter dazu nutzte, um Freunden behilflich zu sein. Nach einer Emnid-Umfrage für „Bild am Sonntag“ nehmen 63 Prozent Wulfs Entschuldigung für seinen Umgang mit der Affäre um den Privatkredit in Höhe von 500 000 Euro an – 30 Prozent tun dies nicht. Einen Rücktritt halten 73 Prozent nicht für notwendig.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sprach sich dafür aus, Wulff im Amt zu halten. „Es wäre verheerend und nahe an einer echten Staatskrise, wenn innerhalb von zwei Jahren zum zweiten Mal ein Bundespräsident zurückträte“, sagte er der „Welt“. „Rückhaltlose Aufklärung soll nicht zum Rücktritt, sondern zu einer Rückkehr in eine angemessene und glaubwürdige Amtsführung führen.“ Träger öffentlicher Ämter dürften Fehler machen, müssten aber „besonders klar, eindeutig und glaubwürdig“ damit umgehen. „Taktisches Verhalten und Bauernopfer wie die Entlassung seines Pressesprechers sind fehl am Platz.“

Die Causa Wulff
Christian Wulff sorgt auch nach seinem Rücktritt immer wieder für Schlagzeilen: zum Beispiel wenn es um sein Ehrensold oder das Büro mit Mitarbeitern geht.Weitere Bilder anzeigen
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04.03.2012 21:00Christian Wulff sorgt auch nach seinem Rücktritt immer wieder für Schlagzeilen: zum Beispiel wenn es um sein Ehrensold oder das...

Rückendeckung erhielt der Bundespräsident vom Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider. In der „Passauer Neuen Presse“ betonte Schneider, er würde es „als einen Verlust empfinden“, wenn Wulff zurückträte: „In persönlichen Begegnungen habe ich ihn als sehr überzeugend empfunden.“ Der CDU-Landesvorsitzende und Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein, Jost de Jager, befürchtet durch die Affäre Wulff Folgen für den Wahlkampf: „Es ist immer ärgerlich, wenn in Wahlkampfzeiten durch eigene Leute Glaubwürdigkeitsfragen aufgeworfen werden“, sagte er dem „Hamburger Abendblatt“.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sieht in der Finanzierung von Anzeigen für ein Buch des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff durch den Unternehmer Maschmeyer keinen Verstoß gegen das Parteiengesetz. „Derzeit kann die Bundestagsverwaltung in diesem Sachverhalt keine Anhaltspunkte für einen Verstoß erkennen“, sagte eine Sprecherin Lammerts. (dapd)

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