Politik : „Wegweiser durch den Bildungsdschungel“

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Berlin. Mithilfe der Stiftung Warentest will Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) die berufliche Weiterbildung unter die Lupe nehmen. Pro Jahr werde die Stiftung rund 20 Anbieter und bis zu 400 Angebote testen, kündigte die Ministerin am Dienstag in Berlin an. Es könne nur ein „verhältnismäßig kleiner Anteil“ der rund 350 000 Veranstalter und über 400 000 Produkte überprüft werden, die mittlerweile auf dem „völlig unübersichtlichen“ Markt seien. Das Ministerium setze aber auf die Breitenwirkung dieser Tests. „Denn niemand weiß, ob die Prüfer der Stiftung Warentest morgen nicht schon die eigenen Programme testen.“ Der Bund stellt bis 2005 rund sechs Millionen Euro zur Verfügung. Die Bundesregierung schreibe der Stiftung nicht vor, nach welchen Kriterien sie welche Anbieter prüfe, sagte Bulmahn.

Rund 40 Milliarden Euro werden nach Angaben der Stiftung jährlich in Deutschland für Weiterbildung ausgegeben. Die Tests sollen einen „neuen Wegweiser durch den Bildungsdschungel“ bieten, sagte Bulmahn. „Wir wollen schwarze Schafe vom Markt treiben.“ Die Probanden der Stiftung Warentest werden verdeckt Kurse besuchen. Die Organisation werde außerdem Marktübersichten und Preisvergleiche erstellen, kündigte Stiftungs-Vorstand Werner Brinkmann an. Auf dem Prüfstand stehen auch die Weiterbildungsangebote der Bundesanstalt für Arbeit (BA). Brinkmann sagte, zunächst sollten geförderte Langzeitkurse im kaufmännischen Bereich überprüft werden, ebenso wie Bewerbungstrainings, Existenzgründerseminare und Kurse für Wirtschaftsenglisch.

Für die Weiterbildung gibt die Nürnberger Behörde rund sieben der insgesamt 52 Milliarden Euro an Beitragsmitteln aus. In der Vergangenheit hatte der Bundesrechnungshof schon mehrfach Defizite bei den von der Bundesanstalt finanzierten Angeboten angemahnt. Die Kurse seien nicht immer „transparent“ und zeigten nicht unbedingt das „gewünschte Ergebnis“, sagte ein Sprecher des Rechnungshofes. Nicht alle Teilnehmer einer solchen Fortbildung seien nachher qualifiziert für einen Arbeitsplatz.

Die Hartz-Kommission zur Reform des Arbeitsmarktes und der Arbeitsverwaltung arbeitet ebenfalls an Konzepten, wie sich die berufliche Weiterbildung verbessern lässt. Günther Schmid vom Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) kritisiert vor allem die lange Dauer vieler Weiterbildungsangebote. Bei einer Durchschnittsdauer von neun Monaten erreiche man nur 350 000 Arbeitslose im Jahr, sagt der Wissenschaftler, der Mitglied in der 15köpfigen Hartz-Reformkommission ist. Ein weiteres Defizit sind für Schmid die häufig sehr festen Beziehungen der Bundesanstalt zu Trägern von Bildungsangeboten. Manchmal gehe es darum, nur die Kapazitäten der Bildungsanbieter auszulasten, anstatt sich an den Bedürfnissen auf dem Arbeitsmarkt zu orientieren.

Auch die Arbeitgeber lehnen die festen Strukturen ab. Gute Erfahrungen haben sie vor allem mit Anbietern gemacht, die sowohl Arbeitslose als auch Mitarbeiter von Unternehmen weiterbilden. Über Kontakte und Praktika sei es Arbeitslosen so häufig möglich, einen Job zu finden, sagt Barbara Dorn, Abteilungsleiterin Berufliche Bildung beim Arbeitgeberverband.

Mit einer eigenständigen „Stiftung Bildungstest“ will Bulmahn künftig auch Hochschulen und deren Bildungsangebote testen. Sie hält eine Bewertung der Leistungsfähigkeit der Hochschulen insgesamt für notwendig. Aber auch die Studienangebote an den Universitäten und Fachhochschulen müssen nach ihrer Ansicht unter die Lupe genommen werden. Cordula Eubel

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