Wehrbeauftragter : Offiziere kennen "Grenzen zum Dienstvergehen" nicht

Vielen Soldaten fehlt nach Ansicht des Wehrbeauftragten Königshaus das "Unrechtsbewusstsein" bei Fehlverhalten. Ein Bericht über die Vorgänge auf der Gorch Fock scheint die These zu stützen.

Wehrbeauftragter Königshausen präsentiert den Jahresbericht.
Wehrbeauftragter Königshausen präsentiert den Jahresbericht.Foto: dpa

Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus hat in seinem Jahresbericht erhebliche Führungsschwächen bei der Bundeswehr angeprangert. Insbesondere unerfahrenen Vorgesetzten fehle es „an Wissen und Gespür dafür, wann die Grenzen zum Dienstvergehen beziehungsweise zur Straftat überschritten werden“, heißt es in dem 70-seitigen Bericht. Rüde Umgangsformen und herabmindernde Äußerungen würden oft nicht als unangebracht erkannt.

„Oft gehen beleidigende Äußerungen mit anderen schwerwiegenden Pflichtverletzungen einher“, berichtet Königshaus. Als Beispiel nennt der FDP-Politiker schikanierende Aufnahmerituale bei den Gebirgsjägern in Mittenwald, die im Frühjahr 2010 für Aufsehen sorgten. Der Vorgang mache zweierlei deutlich: „Zum einen fehlte vielen der beteiligten Soldatinnen und Soldaten das Unrechtsbewusstsein für ihr Handeln. Zum anderen zeigt er auch Defizite bei der Dienstaufsicht auf.“

Königshaus forderte, bei der anstehenden Bundeswehrreform Maßnahmen zu ergreifen, die zur Verbesserung der Disziplin in der Truppe beitragen. Unter anderem müsse dafür gesorgt werden, dass die Disziplinarvorgesetzten hinreichend auf ihre Aufgabe vorbereitet seien und auch Präsenz zeigen könnten.

Der von Königshaus in Auftrag gegebene Bericht über die Zustände auf dem Marine-Schulschiff Gorch Fock enthält nach Medienberichten Hinweise auf massiven Alkoholmissbrauch an Bord. Mehrere der auszubildenden Offiziersanwärter hätten sich bei Königshaus' Untersuchungsteam über Exzesse der Stammbesatzung auf der gegenwärtig laufenden Fahrt beschwert, bei der eine Kadettin tödlich verunglückt war. Das berichtete „Spiegel Online“ am Dienstag unter Berufung auf den Report.

Die „Financial Times Deutschland“ berichtete unter Berufung auf die Protokolle der Befragung an der Marineschule Mürwik bei Flensburg, die Offiziersanwärter hätten übereinstimmend ausgesagt, sie seien vor dem Tod ihrer Kameradin Anfang November nicht darüber informiert worden, dass das Aufentern in die Takelage freiwillig sei. Erst nach dem tödlichen Sturz der Frau habe der inzwischen abgesetzte Kapitän Norbert Schatz darauf hingewiesen.

Der Wehrbeauftragte wollte sich im ZDF-„Morgenmagazin“ nicht zu den berichteten Details äußern.

Ein betrunkener Ausbilder soll den Berichten zufolge in der Nacht in den Schlafraum der Kadetten gekommen sein und gelallt haben, „dass er Offiziersanwärter hasse und sie töten würde“. Ein Kadett sagte laut „Spiegel Online“ aus, er habe „auf dem Deck Erbrochenes der Offiziere wegputzen müssen“. Der Ex-Kapitän selbst sei „besonders häufig in Badehose gesehen worden“ und habe ansonsten nur Pflichttermine wahrgenommen.

Ein früheres Mitglied der Stammbesatzung warf ihm auch Verstöße gegen übliche seemännische Verhaltensregeln vor. Kommandant Schatz habe mit dem Segelschiff ohne Not immer wieder Orkane ansteuern lassen. „Dabei sind mehrere Segel gerissen“, zitierte die Zeitung den namentlich nicht genannten Mann. Er habe wohl den Geschwindigkeitsrekord des Schiffes brechen wollen. (dpa)

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