Politik : Wehrpflicht: Mit der Pflicht zur Gerechtigkeit

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Die Bundeswehr hält die "Wehrgerechtigkeit" für gesichert - die Gegner der Bundeswehr leugnen dies. In diesem Jahr leisten nur noch 31 Prozent der Männer den Grundwehrdienst. 38 Prozent suchen sich Alternativen, machen also Zivildienst oder gehen zur Polizei oder zur Feuerwehr. 31 Prozent des derzeit einzuberufenden Jahrganges kommen um alles herum. Im Jahr 2005 werde die Quote derjenigen, die gar keinen Dienst leisten müssen, auf 41 Prozent steigen, heißt es bei der "Zentralstelle Kriegsdienstverweigerung" (KDV). Im Jahr 2005 würden nur noch 21 Prozent der jungen Männer eine Waffe in die Hand nehmen. "Wenn nur noch jeder Fünfte eines Jahrgangs zum Grundwehrdienst einberufen wird, wird es keine Wehrgerechtigkeit mehr geben", sagt Peter Tobiassen von der Zentralstelle KDV.

Das Verteidigungsministerium nennt andere Zahlen: Auf den für das Jahr 2010 geplanten 53 000 Dienstposten leisten wegen der nur noch neunmonatigen Wehrpflicht jedes Jahr 71 000 Männer ihren Dienst. Dazu kommen die "Freiwillig länger Dienenden" (FWDL). Denn auch in Zukunft können alle Soldaten ihre Dienstzeit frei verlängern, zwischen elf und 23 Monate sind möglich. In den kommenden Jahren sinke die Zahl der wehrpflichtigen Männern aus demografischen Gründen stark, betont das Verteidigungsministerium. Zudem würden die körperlichen Anforderungen wegen der Auslandseinsätze steigen. Etwa 22 Prozent der Männer würden als untauglich aussortiert, prognostiziert die Bundeswehr. Mit den FWDL würden etwa 100 000 Männer pro Jahr einberufen und bei einer Jahrgangsstärke von 430 000 die Kriterien der Wehrgerechtigkeit erfüllt. Eine Verkürzung des Wehrdienstes auf sechs Monate dagegen würde die Wehrgerechtigkeit nicht mehr gewährleisten, heißt es im Ministerium.

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