• Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten: Rau ruft Deutsche und Ausländer zu Gemeinsamkeit auf

Politik : Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten: Rau ruft Deutsche und Ausländer zu Gemeinsamkeit auf

Bundespräsident Johannes Rau hat an Deutsche und Ausländer appelliert, stärker aufeinander zuzugehen. In seiner traditionellen Weihnachtsansprache sagte der Bundespräsident, es sei oft nicht leicht, miteinander auszukommen, wenn man sich in Sprache und Herkunft sowie in Religion und Kultur fremd sei. Manche fühlten sich überfordert, hätten Angst oder schlechte Erfahrungen gemacht. Solche Sorgen und Schwierigkeiten dürften dann aber nicht beiseite geschoben werden. Man müsse über sie reden und entsprechend handeln. Nur so könnten Fremdheit überwunden und Probleme gelöst werden.

Rau betonte, die "ganz große Mehrheit" der Deutschen sei nicht fremdenfeindlich und sei auch nicht bereit, Fremdenfeindlichkeit zu dulden. "Wir müssen und wollen friedlich miteinander leben", sagte der Bundespräsident. Rau forderte auch Ost- und Westdeutsche auf, Vorurteile abzubauen und sich besser kennen zu lernen: "Wir wissen zu wenig, wir erzählen uns zu wenig über unsere unterschiedlichen Erfahrungen und Sichtweisen." Zwar könnten Unterschiede auch fruchtbar sein und das Leben spannend machen. "Wir müssen aber aufpassen, wie wir übereinander reden, wie wir miteinander umgehen, welches Klima dadurch entsteht", fügte er hinzu. Ost- und Westdeutsche müssten sich bewusst sein, dass sie im Interesse des ganzen Landes gemeinsam handeln müssten.

Rau dankte ausdrücklich allen ehrenamtlich Tätigen. Wer in Sportvereinen oder Selbsthilfegruppen, in der Jugendarbeit oder der Altepflege mithelfe, sorge für die Wärme, die weder der Staat noch der Markt schaffen könnten, "ohne die unsere Gesellschaft aber erfrieren würde". Er dankte auch allen, die als Soldaten, Polizisten oder zivile Helfer in allen Teilen der Welt für Frieden und für Menschenrechte arbeiteten. Anerkennung zollte Rau auch jungen Paaren, die sich für Kinder entschieden hätten. "Das ist heute nicht leicht, weil inzwischen auch Kinder zuerst als Konsumenten angesehen werden", beklagte der Bundespräsident.

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