Weihnachtsansprache : Köhler fordert "Kultur der Achtsamkeit

Angesichts des Amoklaufs von Winnenden und des Münchner S-Bahn-Mords hat Bundespräsident Horst Köhler zum Jahresausklang eine „Kultur der Achtsamkeit“ angemahnt.

Horst Köhler
Weihnachtsansprache. Angesichts des Amoklaufs von Winnenden und des Münchner S-Bahn-Mords hat Bundespräsident Horst Köhler zum...Foto: dpa

In seiner Weihnachtsansprache hat Bundespräsident Horst Köhler die Deutschen aufgerufen, sich in allen Lebensbereichen um eine „Kultur der Achtsamkeit und Anerkennung“ zu bemühen. Jeder einzelne könne „etwas tun für unser Land“, sagte das Staatsoberhaupt. Millionen Bürger lebten danach: „Sie setzen sich ein für den Nächsten und für die Allgemeinheit. In Vereinen und Kirchengemeinden, in den politischen Parteien, in Bürgerinitiativen und in der Nachbarschaftshilfe.“ Auch 2009 habe er dies immer wieder erlebt. „Dieses Engagement lässt uns zusammenhalten und macht unser Land reicher.“

Köhler erinnerte zugleich an Ereignisse während der vergangenen Monate, in denen die Menschen „Schutzlosigkeit“ erfahren hätten. Der Bundespräsident nannte in diesem Zusammenhang den Amoklauf von Winnenden mit 16 Toten im März und den tödlichen Angriff von zwei Jugendlichen auf einen 50-Jährigen an einem Münchner S-Bahnhof vom September. „Wir haben in diesem Jahr Taten erlebt, die uns an die Grenze des Verstehbaren geführt haben“, sagte Köhler. „Sie haben uns ratlos gemacht.“ In ihnen stecke aber auch die Aufforderung, „nachzudenken über uns selbst und wie wir zusammenleben“. Das Staatsoberhaupt stellte vor diesem Hintergrund die Frage, ob sich die Menschen mit genügend gegenseitiger Achtsamkeit begegneten.

"Da denke ich auch an unsere Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan“, fügte Köhler hinzu. „Machen wir uns klar, was ihr Dienst bedeutet?“ Seine guten Wünsche seien „bei ihnen und auch bei den Landsleuten, die sich fern der Heimat im Dienst der Polizei oder der Hilfsorganisationen für Sicherheit und friedlichen Aufbau einsetzen“.

Angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise forderte Köhler „Ehrbarkeit und bessere Regeln in der Finanzwirtschaft“. „Wir haben gerade erlebt, dass Maßlosigkeit bei Finanzakteuren und Mängel bei der staatlichen Aufsicht die Welt in eine tiefe Krise gestürzt haben.“ Notwendig sei das Verständnis dafür, „dass Geld den Menschen dienen muss und sie nicht beherrschen darf. Ich verlange Einkehr von den Verantwortlichen“, sagte der Bundespräsident.

Auch müssten die Menschen achtsamer mit den natürlichen Lebensgrundlagen umgehen, mahnte Köhler. „Das bedeutet, bewusster zu leben. Für eine bessere Lebensqualität in besserem Einklang mit der Schöpfung.“ Es gehe darum, mit Ideen, Vernunft und Einsatz den Weg für eine gute Zukunft zu finden. „Es geht um eine Politik, die über den Tag hinaus denkt und handelt.“ AFP/dpa

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