Politik : Weiß oder Mandel?

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Müll, nun ja. Ist ein deutsches Thema. Was früher die umhäkelte Klorolle im Autofenster war, ist heute die Mülltrennung, und wer sich einst bei seinem Nachbarn durch Betreten des Rasens unbeliebt machte, der schafft das heute leichter mit Abfallfrevel: Einmal eine Plastiktüte in die Papiertonne geworfen, und schon steht die ganze Hausgemeinschaft da und nimmt übel. Falscheinwurf ist beim Fußball eine lässliche Sünde, beim Müll ein Offizialdelikt.

Na, jedenfalls, was die Verbraucherseite betrifft. Über die andere Seite machen wir uns wenig Illusionen – die kippen das Zeug auf dem Laster wieder zusammen und bringen es dann entweder in die Verbrennung oder in ein fernes Land ihrer Wahl, Müll mit Migrationshintergrund gewissermaßen.

Vorurteil. Denn soeben fällt uns die Einladung auf den Tisch, das „Müllhandbuch“ zu ordern – wir können, heißt es, bei Bestellung bis zum Jahresende sogar 32 Euro sparen. Der eigentliche Witz der Sache liegt aber in einem Hinweis, der, ja, Sprengstoff? ist. „Zugriff auf über 200 wöchentlich aktualisierte EU-, Bundes- und Landesvorschriften zum Abfallrecht und den angrenzenden Rechtsgebieten.“

200 Vorschriften. Wöchentlich aktualisiert. Kann sich das jemand vorstellen? Das bedeutet vermutlich, dass das Verpackungsmaterial für Magnum Mandel (Normalgröße) der thermischen Vorbehandlung zu unterziehen ist, während die Tüte von Magnum weiß gleich in die Vollverbrennung fliegt oder geradeaus kompostiert wird – und eine Woche später ist es umgekehrt. Gut, das war jetzt ein vermutlich blödes Beispiel, aber irgendwas muss in den 200 Vorschriften drinstehen, das können ja nicht alles nur entsorgungstechnische Grundsatzprobleme sein, nicht wahr?

Ohne „verlässliches Hintergrundwissen“ (Zitat Müllhandbuch) läuft nichts mehr. Müll als solchen gibt es im Grunde sowieso nicht, nur einzelne, individuelle Reste, deren Verschwindenmachen wir mit einem Experten diskutieren sollten, so wie man mit selbst gesammelten Pilzen zu einem Pilzberater geht, statt sie auf Verdacht aufzuessen. Welches Verfahren zum Beispiel für die speziellen Bedürfnisse der Klärschlammentwässerung geeignet ist – man kann es immerhin nachschlagen und gegebenenfalls das eigene Verfahren blitzschnell ändern.

Ach, es ist ja nicht alles falsch mit den Müllvorschriften. Wir Zeitungsmenschen zum Beispiel ärgern uns immer, wenn in unser hervorragendes Produkt einen Tag später Fische eingewickelt werden. Verboten! Aber das macht ja sowieso keiner mehr.

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