Weißrussland : Festnahmen nach Anschlag in Minsk

Nach dem verheerenden Bombenanschlag in der weißrussischen Hauptstadt Minsk mit zwölf Toten haben die Behörden des autoritär regierten Landes mehrere Verdächtige festgenommen.

Zwölf Tote sind nach den Explosionen in der Metro von Minsk zu beklagen.
Zwölf Tote sind nach den Explosionen in der Metro von Minsk zu beklagen.Foto: dpa

Es habe sich nicht um ein Selbstmordattentat gehandelt, sagte der stellvertretende Generalstaatsanwalt Andrej Schwed am Dienstag nach Angaben der unabhängigen Agentur Belapan. Nähere Angaben machte er zunächst nicht. Der mit Metallteilen gespickte Sprengsatz sei ferngezündet worden.

Ziel des Anschlags in der zentralen Metrostation Oktjabrskaja am Vortag sei gewesen, die Ex-Sowjetrepublik zu destabilisieren, sagte Schwed. Den Angehörigen der Toten versprach die Führung des verarmten Landes jeweils umgerechnet 6900 Euro Schadenersatz. Bei dem Attentat am Vortag waren auch mehr als 150 Menschen verletzt worden. Etwa 40 von ihnen befanden sich am Dienstag nach Angaben des Gesundheitsministeriums noch in kritischem Zustand.

Am Morgen hieß es, die Behörden der autoritär regierten Ex-Sowjetrepublik hätten nach eigenen Angaben zwei Täter im Visier. Die Identität der Männer sei bekannt, sagte Innenminister Anatoli Kuleschow nach Angaben der unabhängigen Agentur Belapan. "Die Suche nach ihnen läuft." Möglicherweise gebe es aber noch mehr Verdächtige. Die Generalstaatsanwaltschaft stufte die Explosion als Terroranschlag ein. Weißrussland galt bislang nicht als Ziel von Terroristen.

Explosionen in Minsker U-Bahn
11. April 2011: Bei vermutlich zwei Explosionen in der Metro der weißrussischen Hauptstadt Minsk werden mindestens zwölf Menschen getötet und mehr als 100 verletzt. Die Behörden der autoritär regierten Ex-Sowjetrepublik sprechen von einem Terroranschlag. Weißrussland galt bislang nicht als Ziel von Terroristen.Alle Bilder anzeigen
1 von 9Foto: AFP
11.04.2011 21:1011. April 2011: Bei vermutlich zwei Explosionen in der Metro der weißrussischen Hauptstadt Minsk werden mindestens zwölf Menschen...

Präsident Alexander Lukaschenko forderte den Geheimdienst KGB auf, das Land auf der Suche nach den Tätern "auf den Kopf zu stellen". Beobachter erwarten, dass der seit 1994 regierende "letzte Diktator Europas" nun die Daumenschrauben noch fester anziehen wird.

Lukaschenko sagte, es gebe möglicherweise eine Verbindung zu einem Bombenanschlag am Tag der Unabhängigkeit in Minsk im Juli 2008 mit etwa 50 Verletzten. Der KGB hatte damals vier mutmaßliche Mitglieder der nationalistischen Untergrundorganisation Weiße Legion unter Terrorverdacht festgenommen. Der Fall wurde allerdings nie aufgeklärt.

Lukaschenko befahl, alle Militärlager im Land auf fehlenden Sprengstoff zu überprüfen. Die Grenzkontrollen wurden verschärft. Russland schickte Experten seines Inlandsgeheimdiensts FSB, die bei den Ermittlungen helfen sollen, sowie Ärzte. An diesem Mittwoch will das Land der Opfer mit einem Tag der Trauer gedenken.

Unterdessen mehren sich die Stimmen, die eine Beteiligung der weißrussischen Führung an der Bluttat nicht ausschließen. "Der Anschlag nützt denen, die einen Ausnahmezustand im Land und ein Abrücken Weißrusslands vom Westen wollen und zudem die Opposition verleumden", sagte der oppositionelle Ex-Präsidentenkandidat Alexander Milinkewitsch. Zahlreiche Regierungsgegner sitzen im Gefängnis oder stehen unter Hausarrest. Führende Oppositionelle flüchteten ins Ausland, nachdem das Regime Proteste gegen die von Fälschungsvorwürfen überschattete Präsidentenwahl im Dezember 2010 niedergeknüppelt hatte.

Das weißrussische Staatsfernsehen zeigte, wie zahlreiche Menschen Blumen vor dem Eingang zur Metrostation niederlegten und dort brennende Kerzen aufstellten. Einige Passanten konnten die Tränen nicht unterdrücken. "Es ist schrecklich", sagte eine Studentin. In der stark beschädigten Station suchten KGB-Experten nach Spuren. Vor der Haltestelle schirmten schwer bewaffnete Sicherheitskräfte den Tatort ab. Die betroffene Metrolinie war zunächst außer Betrieb. Die Behörden stellten an mehreren Stationen Metalldetektoren auf. (dpa/AFP)

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