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Weißrussland : Todesstrafe wegen U-Bahn-Anschlags in Minsk

Die Verurteilten im Fall eines Anschlags in der Minsker U-Bahn sind zur Höchstrafe verurteilt worden. Der Prozess war von Menschenrechtlern kritisiert worden.

Die beiden 25-jährigen Angeklagten Dmitry K. (links) und Vladislav K. im Prozess.
Die beiden 25-jährigen Angeklagten Dmitry K. (links) und Vladislav K. im Prozess.Foto: AFP

In dem umstrittenen Prozess wegen des Bombenanschlags auf die Metro in Minsk im vergangenen April hat ein weißrussisches Gericht die beiden Angeklagten zum Tode verurteilt. Das Gericht sprach am Mittwoch die 25 Jahre alten Männer schuldig, am 11. April 15 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt zu haben. Das meldeten übereinstimmend die Staatsagentur Belta und die unabhängige Minsker Agentur Belapan.

Die autoritär geführte Ex-Sowjetrepublik vollstreckt als einziges Land in Europa trotz internationaler Kritik noch die Todesstrafe. Verurteilte werden durch Genickschuss hingerichtet.

Richter Alexander Fedorzow folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Er hatte die Angeklagten Dmitri K. und Wladislaw K. während der
stundenlangen Verlesung des Urteils auch wegen früherer Anschläge schuldig gesprochen.

Die Verteidigung hatte Freispruch aus Mangel an Beweisen beantragt. Menschenrechtler und die Mutter eines Angeklagten hatten den als „letzten
Diktator Europas“ kritisierten Präsidenten Alexander Lukaschenko um Gnade gebeten.

Explosionen in Minsker U-Bahn
11. April 2011: Bei vermutlich zwei Explosionen in der Metro der weißrussischen Hauptstadt Minsk werden mindestens zwölf Menschen getötet und mehr als 100 verletzt. Die Behörden der autoritär regierten Ex-Sowjetrepublik sprechen von einem Terroranschlag. Weißrussland galt bislang nicht als Ziel von Terroristen.Alle Bilder anzeigen
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11.04.2011 21:1011. April 2011: Bei vermutlich zwei Explosionen in der Metro der weißrussischen Hauptstadt Minsk werden mindestens zwölf Menschen...

Es handele sich um einen Schauprozess, bei dem durch Folter und Druck Geständnisse erzwungen worden seien, behauptete Ljubow Kowaljowa, die
Mutter eines der beiden Verurteilten. Tausende Menschen hatten Petitionen gegen die Todesstrafe unterschrieben.

In Weißrussland hält sich bei vielen die Meinung, dass der Geheimdienst KGB oder andere Kräfte im Machtapparat in das Blutbad verstrickt sein könnten. In Internetblogs hatten Bürger gemeint, dass die Führung nach dem Vorbild des Sowjetdiktators Josef Stalin mit blutigem Staatsterror von der schweren Krise im Land ablenken wolle.

(AFP)

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