Politik : Weiter Streit um Gorch Fock

SPD-Politiker Arnold: Bericht verharmlost Zustände auf dem Schulschiff

Berlin - Eine Tote, überharter Drill, Ekelrituale, Meuterei und sexuelle Belästigung: Zu Beginn des Jahres brach eine Welle der Empörung über dem deutschen Segelschulschiff Gorch Fock zusammen. Der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) reagierte prompt und suspendierte den Kommandanten des Schiffes vorläufig. Das schnelle Vorgehen von Guttenberg war allerdings nicht unumstritten. Eine Untersuchungskommission sollte anschließend klären, was an den Vorwürfen dran ist. An diesem Mittwoch wird sich der Verteidigungsausschuss des Bundestags mit dem 98-seitigen Bericht der Marine befassen, für den 221 Offiziersanwärter und 192 Angehörige der Stammbesatzung befragt wurden.

Bereits in der vergangenen Woche war der Bericht an den Marineinspekteur Axel Schimpf übergeben und an die Abgeordneten weitergeleitet worden. Die Kommission kam zu dem Schluss, dass sich die Vorwürfe gegen die Schiffsleitung „zum großen Teil als nicht haltbar“ erwiesen hätten. Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold äußerte den Verdacht der Verharmlosung. Er habe den Eindruck, dass die Marine versuche, „weich zu zeichnen“, sagte er. Dies gelte vor allem für die Zusammenfassung. Die „Bild“-Zeitung stellte in ihrer Onlineausgabe dazu fest: „Das findet die Marine alles normal.“ Arnold sagte, „wenn man den Bericht genau liest, dann stellt man fest, dass es schwerwiegende Fehlentwicklungen gibt“. Nach Angaben des SPD-Verteidigungsexperten wurden Soldaten gezwungen, in die Takelage zu steigen, obwohl sie dies nicht wollten. Schikane werde in dem Bericht kleingeredet. Zudem hätten die Unteroffiziere auf dem Schiff „mehr oder weniger das Sagen“ gehabt. Arnold mahnte: „Ich erwarte, dass die Marine diese Fehlentwicklungen abstellt. Das ist nicht Sache der Politik.“

Unterdessen setzt sich der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU- Bundestagsfraktion, Ernst-Reinhard Beck, für die Rehabilitierung von Kapitän Norbert Schatz ein.

Einer der wichtigsten Punkte, der die ganze Affäre um das Paradeschiff überhaupt erst in Gang gebracht hatte, spielt gar keine Rolle in dem Papier. Am 7. November vergangenen Jahres war die Kadettin Sarah Seele aus den Masten aufs Deck gestürzt und gestorben. Ob es vor dem Tod Fehler bei der Ausbildung gab, ob die Frau nicht richtig gemustert wurde oder vielleicht zum Aufentern gedrängt wurde, sei nun aber Sache der Staatsanwaltschaft, nicht der Berichterstatter der Marine, heißt es. mis

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