Politik : Weiter Verwirrung um Luftangriff

Berlin - Die Verwirrung ist groß, Klarheit bleibt Mangelware, das Ringen um Beschreibung und Bewertung des von der Bundeswehr zu verantwortenden Luftschlags in Nordafghanistan mit Dutzenden Toten geht weiter.

Die „Süddeutsche Zeitung“ erhob unter Berufung auf einen führenden Nato-Offizier und einen vorläufigen Isaf-Bericht schwere Vorwürfe gegen Bundeswehrkommandeur Oberst Georg Klein: Die Genehmigung für den Luftangriff habe Klein nicht ohne Rücksprache mit dem Isaf-Hauptquartier erteilen dürfen. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte am Donnerstag, ob er das durfte, sei Sache der Ermittlungen, deshalb mache man keine Angaben dazu. „Ich weise aber darauf hin, dass unter bestimmten Bedingungen ein Kommandeur vor Ort den Befehl für einen Luftangriff auch ohne Rücksprache mit einer zweiten Instanz geben darf“. Verteidigungsminister Franz Josef Jung lehnte Kleins vorzeitige Ablösung am Donnerstag ab. Auch der frühere Vorsitzende des Nato-Militärausschusses, Vier-Sterne- General Harald Kujat, verteidigte Klein: „Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ein deutscher Oberst über den Einsatz von zwei amerikanischen F-15-Bombern entscheiden darf.“

Die Nato bestritt am Donnerstag, dass es überhaupt einen Zwischenbericht gebe. „Ich habe heute mit der Isaf gesprochen“, sagte Nato-Sprecher James Appathurai. „Und man hat mir versichert, dass es keinen Isaf-Bericht gibt, in dem irgendwelche Schlussfolgerungen oder Bewertungen hinsichtlich des Zwischenfalls in Kundus stehen.“ Bei dem von der „SZ“ kolportierten Papier handelt es sich offenbar um eine Zusammenfassung dessen, was das „Initial action team“ um den US-General Stanley McChrystal nach einem ersten Besuch am Ort des Geschehens an Erkenntnissen gewonnen hat – bevor es Offiziere aus Deutschland und den USA sowie den kanadischen General C. S. Sullivan mit einer Untersuchung beauftragte, die gerade erst angelaufen ist. mis

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