Politik : Weitere Geiselnahme: Studentengruppe in Kolumbien entführt

Im Nordwesten Kolumbiens sind 21 Mitglieder einer Studiengruppe und fünf weitere Menschen entführt worden. Unter den Verschleppten befinden sich nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin vom Freitag eine 24-jährige deutsche Studentin und ein Hochschullehrer aus den USA. Nach Angaben aus Universitätskreisen in Bogota wurde die Gruppe bereits am Mittwoch in La Union in der Provinz Antioquia auf einem Forschungsgelände der dortigen Universität von Bewaffneten überfallen und entführt. Wer dahinter steckt, war zunächst unklar. Nach Angaben von Bewohnern La Unions könnte die linksextreme Gruppe "Nationales Befreiungsheer" (ELN) für die Entführung verantwortlich sein.

Die entführte Deutsche lebte nach Angaben des Auswärtigen Amtes seit Jahren in Kolumbien. Die deutsche Botschaft in Bogota stehe in Kontakt zur Familie der jungen Frau, hieß es dazu in Berlin am Donnerstag weiter. Bisher gebe es noch keine Forderungen der Entführer.

In Kolumbien sind Entführungen an der Tagesordnung: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden nach Polizeiangaben rund 1500 Menschen verschleppt. Die linksgerichtete Guerilla nutzt sie als Einnahmequelle und Druckmittel für Verhandlungen. Oftmals sind aber auch rechte paramilitärische Todesschwadronen, die gegen die Rebellen kämpfen, für derartige Taten verantwortlich. Die kolumbianische Regierung und Vertreter der ELN-Guerilla ringen gegenwärtig um Fortschritte im Friedensprozess. Die ELN, mit etwa 5000 Kämpfern die zweitgrößte Guerillaorganisation Kolumbiens, folgt damit dem Beispiel der größeren Rebellenorganisation "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" (FARC), die bereits seit Oktober mit der Regierung von Andres Pastrana verhandelt.

In dem blutigen Konflikt in Kolumbien sind seit 1964 mehr als 120 000 Menschen getötet worden. Mehr als zwei Millionen Menschen flüchteten inzwischen aus den umkämpften Gebieten.

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