• Weitere Stockschläge für Raif Badawi aufgeschoben: Weltweit Proteste gegen Bestrafung des saudischen Bloggers

Weitere Stockschläge für Raif Badawi aufgeschoben : Weltweit Proteste gegen Bestrafung des saudischen Bloggers

Überall auf der Welt hatte sich Protest gegen die drastische Bestrafung des saudischen Bloggers Raif Badawi erhoben. Nun haben die saudischen Behörden die weiteren 50 Stockschläge verschoben.

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Vielerorts protestierten Menschen gegen die Bestrafung des saudischen Bloggers, hier in Wien.
Vielerorts protestierten Menschen gegen die Bestrafung des saudischen Bloggers, hier in Wien.Foto: dpa

In vielen Teilen der Welt gingen am Freitag Menschen für ihn auf die Straße. Vor den saudischen Botschaften in Paris, London, Berlin, Den Haag, Washington und Tunis standen Mahnwachen. Am gleichen Tag wurde die zweite öffentliche Bestrafung des saudischen Bloggers Raif Badawi mit Stockschlägen vor der Al-Jafali Moschee in Dschidda in letzter Minute „aus medizinischen Gründen“ abgesagt und auf nächste Woche verschoben. Die Vereinten Nationen hatten in dieser Woche an den saudischen König Abdullah, appelliert, die erniedrigende Bestrafung des Bloggers zu stoppen, dessen Fall sich zu einem Desaster für das internationale Ansehen des arabischen Königreiches entwickelt.

Denn der Misshandelte hat nichts anderes getan, als auf seinem Online-Forum zu Diskussionen über den Missbrauch des Islam durch hohe Regimekleriker sowie über das bizarre Agieren der islamischen Sittenpolizei in seiner Heimat aufzurufen. „Bloggen ist kein Verbrechen“, stand auf den Plakaten der Demonstranten und „Freiheit für Badawi“. Der neue UN-Menschenrechtskommissar Prinz Zeid Raad Zeid Al-Hussein, der aus der jordanischen Königsfamilie stammt, forderte Saudi-Arabiens Führung auf, „dringend diese Form von extrem harter Bestrafung zu überprüfen“. Eine Auspeitschung sei, um es milde zu formulieren, eine Form von grausamer und inhumaner Bestrafung – und nach internationalem Menschenrecht verboten.

Auch die Grünen-Politikerin und Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth bezeichnete am Freitag die Peitschenhiebe gegen Badawi als "eine schwerwiegende Verletzung der Menschenrechte und nichts anderes als staatlich organisierte Barbarei". Sie beklagte, dass das Königreich Saudi-Arabien, das mit größter Brutalität und Folter gegen Freiheit und Andersdenkende vorgehe, vielen in Deutschland jedoch weiterhin als "‚Stabilitätsanker‘ in der Region", dem man Waffen liefere und zum Verbündeten im globalen Kampf gegen den islamistischen Terror erkläre. Die internationale Gemeinschaft müsse eine "klare Haltung gegenüber dem Regime in Saudi-Arabien zeigen und eine überzeugende Abgrenzung von dessen Politik- und Religionsverständnis formulieren", sagte sie in Berlin.

 

Badawi wurde 2012 verhaftet und zu zehn Jahren Haft, 1000 Peitschenhieben sowie einer Geldstrafe von umgerechnet 200 000 Euro verurteilt. Seine Frau und drei Kinder haben inzwischen Asyl in Kanada erhalten. Auf dem kurzen Handyvideo eines Augenzeugen der ersten Auspeitschung vor einer Woche steht der 31-Jährige gefesselt, mit Hose und weißem Hemd bekleidet sowie unverhülltem Gesicht inmitten einer großen Menge von Zuschauern, die die Hiebe auf Rücken und Beine mit „Allah ist groß“ Rufen quittierten.

Badawi hatte 2008 das Online-Forum „Freie Saudische Liberale“ gegründet, mit dem er Debatten über religiöse und politische Themen in Saudi-Arabien anstoßen wollte. In einem Blog nahm er unter anderem die notorische Religionspolizei auf Korn, weil sie jedes Jahr gegen den „Valentinstag“ als „Fest der Ungläubigen“ wütet, indem sie in Andenkengeschäften Blumen und Schokolade beschlagnahmt. „Glückwunsch, dass ihr uns Moral beibringt und dafür sorgt, dass alle Mitglieder der saudischen Gesellschaft ins Paradies kommen“, spottete Badawi. In einem anderen Eintrag bezeichnete er die Islamische Universität „Imam Muhammad ibn Saud“ in Riad als eine Brutstätte für Terroristen.

Immer wieder plädierte Badawi für eine Trennung von Staat und Religion. Staatlicher Säkularismus sei der wichtigste Schutz für die Bürger eines Landes, schrieb er zur Begründung. In den ersten Wochen des Arabischen Frühlings pries Badawi den Sturz von Hosni Mubarak und die Ereignisse auf dem Tahrir-Platz als Modell für die gesamte arabische Welt.

Im Mai 2012 dann, kurz vor seiner Verhaftung, postete Badawi einen letzten, sehr persönlichen Eintrag über das Wesen der Freiheit, in welchem er den französischen Existentialisten Albert Camus zitierte: „Die einzige Möglichkeit, mit einer unfreien Welt umzugehen, ist so absolut frei zu werden, dass die eigene bloße Existenz ein Akt der Rebellion ist.“


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