Politik : Weizsäcker und Amato kritisieren Haltung der EU

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Rom - Der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat Europa mangelnde Führung im Kosovo-Konflikt vorgeworfen. In einem Beitrag, den Weizsäcker zusammen mit dem italienischen Innenminister Giuliano Amato für die Tageszeitung „Repubblica“ verfasst hat, schreibt Weizsäcker, es sei „einfach, Serben und Albanern die Schuld am Scheitern der Verhandlungen zu geben“. Die internationale Gemeinschaft habe jedoch die Aufgabe, „die richtigen Zeichen und Anreize zu setzen“. Bisher habe man beiden Seiten keine klare europäische Perspektive gegeben, also „ein Beitrittsangebot unter der Bedingung, dass Reformen stattfinden“. Auch die Mitglieder der Balkan-Kontaktgruppe hätten keinen abgestimmten Druck auf Albaner und Serben ausgeübt, um sie zusammenzubringen.

Weizsäcker und Amato, die beide Mitglieder der internationalen Balkankommission waren – Amato als Präsident – kritisieren im Rückblick die europäischen Interventionen auf dem Balkan: „Uns ist es 1991 nicht gelungen, Krieg und Grausamkeiten im Herzen Europas zu verhindern. Es war hauptsächlich unser politisches und militärisches Eingreifen, das die Region zu dem machte, was sie heute ist.“ Den Serben und den Kosovaren empfehlen die beiden Politiker, Kompromisse zu schließen. „Unglücklicherweise ist ’Kompromiss’ auf dem Balkan immer noch ein Schimpfwort.“ Ein unabhängiger Kosovo sei ohne Unterstützung Serbiens undenkbar. Serbien seinerseits könne vielleicht Kosovo verlieren, aber auch seine Beziehungen zur EU beschädigen. „Wir wissen“, schreiben die beiden Politiker, „dass es für die serbischen und kosovarischen Führer schwierig ist, einen Kompromiss zu vertreten, aber es war für Franzosen und Deutsche einst nicht leichter, über die Ruinen des Zweiten Weltkriegs zur Versöhnung und zur Vision eines geeinten Europas zu kommen.“ ade

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