Politik : Welch ein Zustand

Markus Feldenkirchen

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Krawumm, krawumm, Heavy-Metall-Musike dröhnt aus unserem hochpolitischen Redaktionsradio, dann, Yoh Man, Hip Hop (“Shake your ass“ und solche Sachen), es grooved mal wieder fein vor sich hin, unser Radio. Doch dann, kurze Stille, diese Stimme, klingt wie ein Opa mit Hüftgelenksbeschwerden, sehr bescheiden, ein wenig leidend: „Hallo, hier ist Gregor Gysi.“ Wer bitte? „Ja, hier ist Gregor Gysi“, gruftet Gregor Gysi aus dem Radio.

Statt Puff Daddy – oder wie der jetzt gerade heißt – also kurz mal Opa Gysi von der PDS, der schon mal Vizebürgermeister in Berlin war, der nie Stasi-IM gewesen ist und dem gerade ein wenig langweilig zu sein scheint. Deshalb ist er jetzt auch im Radio. Er habe ein neues Buch geschrieben, erklärt Gregor Gysi. „Was nun?“ fragt er dann, nein, er sagt es einfach. So heißt nämlich das Buch. „Über Deutschlands Zustand meinen eigenen“, sagt er dann noch, das soll der Untertitel des Buches sein. Es wird nicht ganz klar, was der eine Zustand mit dem anderen zu tun hat, auch nicht, welcher Zustand Gysi wichtiger ist. Wir wissen nur, dass Deutschlands Zustand gerade besser sein könnte. Aber ganz so schlimm wie Gysis scheint er doch nicht zu sein. Denn wie der Sozialist ohne Aufgabenbereich uns in diesem Radiospot anspricht, so matt und müde, das lässt vermuten, dass es um Gysis Zustand nicht so rosig bestellt ist. „Klingt beides irgendwie jämmerlich“, sagt er sogar über seinen eigenen Buchtitel. Wenn man so seine dünne Stimme hört, könnte man gar meinen, Gysi habe seine Erotik verloren. „Aber lassen sie sich überraschen“, sagt Gysi noch. Na schön. Was nun? Eminem singt: Let’s get down to business.

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