Politik : Wellington ist das Vorbild des Nato-Kommandeurs für den Kosovo

MARTIN PÜTTER

Wenn der britische Generalleutnant Sir Michael Jackson, der Kommandeur der Nato-Truppen für das Kosovo, eines Tages einen Stellenwechsel ins Auge fassen sollte, könnte er es vielleicht mit einer Filmkarriere in Hollywood versuchen. Er würde sich dort jedoch einem kleinen Problem gegenübersehen: Die Produzenten im Amerikas Filmmetropole würden ihm wohl ständig die Rolle eines Armeeoffiziers verpassen. Jackson ist der harte, kernige, von Wind und Wetter gezeichnete, Entbehrungen gewöhnte und manchmal äußerst übellaunige Soldat, der direkt aus dem Bilderbuch entsprungen zu sein scheint. Daß er in seinem spartanisch eingerichteten Büro in einer ehemaligen Schuhfabrik in Skopje in einem Schlafsack auf einem Feldbett schläft, darüber ging keine englische Zeitung hinweg.

Der 55jährige Brite genießt den Respekt und die Achtung seiner Untergebenen, von denen er am liebsten mit "General Mike" angesprochen werden möchte. Denn die anderen Namen, die ihm verpaßt wurden, mag er überhaupt nicht. Wegen seiner tief sonnengebräunten Haut wird er "Prinz der Finsternis" genannt, und die harten Gesichtszüge brachten ihm "Macho Jacko" ein - das harte Gegenstück zum amerikanischen Popstar, mit dem er den Namen teilt. Und keiner wagt es, den Generalleutnant offen mit "Darth Vader" anzusprechen - den Namen des finsteren Schurken aus den Star-Wars-Filmen hat Jackson wegen seiner gefürchteten Temperamentsausbrüche auf dem Exerzierplatz erhalten.

Sofern dies Mitgliedern von Hilfswerken wie dem UNHCR bekannt ist, schauen sie darüber hinweg. "General Mike" hatte bei ihnen sehr viel Achtung gewonnen, als seine Truppen mit rasch aufgestellten Lagern dazu beitrugen, den Flüchtlingsstrom aus dem Kosovo zu bewältigen. Dabei kam Jackson seine Balkan-Erfahrung zugute. Der Karrieresoldat, der einer Familientradition folgend mit 19 Jahren zum Militär, an die Eliteschule Sandhurst, gegangen war, kommandierte zwischen 1995 und 1996 die UN-Friedenstruppen in Bosnien. Seit 1997 war er Kommandeur der schnellen Eingreiftruppen der Nato in Mazedonien und damit die Nummer Eins des Bündnisses im Feld.

Begonnen hatte Jackson seine Karriere 1963 im britischen Geheimdienst. Dort eignete er sich seine guten Russisch-Kenntnisse an. Bevor er 1970 zu den Fallschirmjägern wechselte, schloß er sein Studium an der Universität Birmingham ab. 1984 wurde Jackson Kommandeur des 1. Fallschirmjäger-Batallions, einer der Elite-Einheiten der britischen Armee. In seiner langjährigen Karriere diente Jackson auch in Nordirland und in Berlin, Ende der achtziger Jahre verbrachte er zwei Jahre im britischen Verteidigungsministerium. Dazu entwarf er (als er für sechs Monate an die Elite-Universität Cambridge ging) ein Konzept für den Heeres-Einsatz als mobile Eingreiftruppe. Das brachte ihm schließlich seinen Job bei der Nato ein.

Schlagfertig, mit einem gesunden Sinn für Humor - so bezeichnen seine engsten Untergebenen den schmächtigen, Whisky und Zigarren liebenden Jackson. Als sein militärisches Vorbild bezeichnet der Generalleutnant den Herzog von Wellington, der 1815 mit preußischer Hilfe bei Waterloo die Truppen Napoleons besiegte. 1985 heiratete er Sarah Coombe, seine zweite Ehefrau, mit der er einen Sohn hat; zwei erwachsene Kinder stammen aus erster Ehe. In der britischen Ausgabe des "Who is Who" bezeichnet Jackson Reisen, Musik, Skifahren und Tennis als seine Freizeitinteressen. Doch dazu wird er im Kosovo wohl kaum Gelegenheit haben.

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