Politik : Weltbank fordert Aufstockung der Entwicklungshilfe

Washington (dpa). Das Ziel der Vereinten Nationen, die Armut bis 2015 zu halbieren, ist nicht zu erreichen, wenn Entwicklungs- und Industrieländer nicht erheblich mehr tun. Das geht aus dem Weltentwicklungs-Bericht hervor, den die Weltbank am Sonnabend in Washington veröffentlicht hat.

Von den armen Ländern fordern die Experten, die Rechtsordnung und die Strategien zur Armutsbekämpfung zu verbessern. Von den reichen Länder verlangen sie, ihre Märkte zu öffnen sowie die Entwicklungshilfe aufzustocken. "Was wir jetzt brauchen ist Geld, keine weiteren Versprechungen", sagte Weltbank-Präsident James Wolfensohn am Freitag. Rund 1,2 Milliarden Menschen weltweit haben weniger als einen Dollar täglich zum Leben.

Allein ein Abbau der Subventionen in Industrieländern für Textilien und bearbeitete Güter könnte, so geht aus dem Bericht hervor, den Entwicklungsländern 31,3 Milliarden Dollar (35,1 Milliarden Euro) im Jahr bringen. Auch von dem Abbau eigener Handelsschranken würden die armen Regionen profitieren: mit 27,6 Milliarden Dollar bei bearbeiteten Gütern und 31,4 Milliarden Dollar bei Agrarprodukten.

Afrika bereite die größten Sorgen, berichtete die Weltbank. Dort würde die Zahl der Armen ohne die finanziellen Sonderhilfen von 300 Millionen (1999) auf 345 Millionen im Jahr 2015 steigen. Weltweit gehen insgesamt 125 Millionen Kinder nicht zur Schule, auch, weil das Geld fehlt.

In Bielefeld meldete sich zum Thema der Jugendforscher Christian Palentien zu Wort. "Armut kann heute nicht mehr als gesellschaftliches Randphänomen betrachtet werden, sondern betrifft weite Teile der Bevölkerung, sogar die Kinder", sagte der Wissenschaftler. Seiner Einschätzung nach nimmt auch in Deutschland die Kinderarmut weiter zu. Inzwischen seien mehr als eine Million Kinder und Jugendliche von Sozialhilfe abhängig. Damit sind fast vierzig Prozent der aller Sozialhilfeempfänger (2,9 Millionen) Heranwachsende.

Als Hauptursache für diese Entwicklung nannte Palentien die Arbeitslosigkeit der Eltern und den unzureichenden finanziellen Lastenausgleich für Haushalte mit Kindern. Auch hätten die Euro-Einführung und die damit verbundenen Preiserhöhungen die Lage verschärft. "Wenn der Trend anhält, wird ein großer Teil der jungen Generation strukturell aus der Wohlfahrtsgesellschaft der Etablierten dauerhaft ausgeschlossen", prophezeite Palentien. Für eine der reichsten Nationen der Welt sei das eine "blamable Bilanz".

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