Politik : Weltbank will Landwirtschaft stärker fördern

Lu Yen Roloff

Berlin - Die Weltbank will die Landwirtschaft als Mittel der Entwicklungspolitik wieder deutlich stärken. „Armut lässt sich mit Wachstum in der Landwirtschaft viermal so erfolgreich bekämpfen wie mit allgemeinem Wirtschaftswachstum“, sagte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) am Mittwoch bei der Vorstellung des Weltentwicklungsberichts der Weltbank in Berlin. Mit 2,5 Milliarden Menschen lebt fast die Hälfte der Weltbevölkerung von der Landwirtschaft, besonders in den Entwicklungsländern. Rund 850 Millionen Menschen, zumeist Kleinbauern und Landlose, haben nicht genug zu essen. Die Unterstützung der Weltbank für landwirtschaftliche Projekte in Entwicklungsländern ging jedoch seit 1980 stetig zurück. Zuletzt waren es nur noch vier Prozent des Budgets. In Zukunft will die Weltbank wieder mehr Mittel für die Landwirtschaft bereitstellen. Eines der Ziele lautet, Kleinbauern Zugang zum Welthandel zu verschaffen. „Brot für die Welt“, „Die Deutsche Welthungerhilfe“, „Fian“ und „Oxfam“ reagierten zwiespältig auf den Bericht. In einer gemeinsamen Erklärung lobten sie zwar das Bekenntnis zur Landwirtschaft. Jedoch setze die Weltbank ihre marktliberale Politik der vergangenen Jahrzehnte fort, wenn sie landwirtschaftliche Exporte und Produkte wie Shrimps und Blumen gegenüber dem regionalen Handel und der Selbstversorgung betone. „Wir vermissen im Weltentwicklungsbericht eine ländliche Entwicklungsstrategie, die Bildung, Gesundheit, Infrastruktur, Arbeitsmärkte und institutionelle Reformen einbezieht“, hieß es. Die Vorschläge zur Lösung des Hungerproblems seien zu technisch und würden an der Zielgruppe der Landlosen und Kleinbauern vorbeigehen. Ihnen würde lediglich der Ausstieg aus der Landwirtschaft empfohlen. Auch würde nicht thematisiert, dass große Agrarunternehmen kleine Bauern verdrängten.Von Lu Yen Roloff

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