Weltbank : Zoellick soll Wolfowitz nachfolgen

Nachfolger des geschassten Paul Wolfowitz bei der Weltbank wird offenbar der frühere US-Vize-Außenminister Robert Zoellick. Er gilt als Vertrauter von US-Präsident Bush und hat eine lange Karriere als Diplomat hinter sich.

Washington - Die USA werden nach Angaben eines ranghohen Regierungsbeamten ihren früheren Vize-Außenminister Robert Zoellick als neuen Weltbankchef vorschlagen. Zoellicks Erfahrung und seine lange Karriere als Handels- und Finanzexperte sowie als Diplomat seien gute Voraussetzungen für den Posten als Nachfolger des bisherigen Weltbankchefs Paul Wolfowitz, sagte der Beamte, der nicht namentlich genant werden wollte, in Washington.

Zoellick war in der Regierung von US-Präsident George W. Bush Anfang an dabei. In den ersten vier Jahren brachte er als Handelsbeauftragter die Verhandlungen mit China und Taiwan über deren Aufnahme in die Welthandelsorganisation WTO zum Abschluss. Er spielte auch eine maßgebliche Rolle beim Start der Doha-Handelsrunde der WTO. Zoellick folgte dann zu Beginn von Bushs zweiter Amtzeit der früheren Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice ins Außenministerium. Die Berufung des ausgewiesenen Europa-Experten ins State Department wurde damals von vielen Beobachtern als Signal für die Bemühungen des Präsidenten gesehen, die durch den Streit um den Irak-Krieg schwer belasteten transatlantischen Beziehungen wieder zu stärken.

Schwerpunkt China

Im Außenministerium kümmerte sich Zoellick aber auch schwerpunktmäßig um die Beziehungen zu China. Ferner widmete er sich der Beilegung der Krise in der sudanesischen Provinz Darfur. Zoellick, der seit den 80er Jahren in Washington in unterschiedlichen Regierungsämtern gedient hat, wurde in Deutschland bereits durch seine Rolle in den Verhandlungen über die deutsche Einheit bekannt. Aus dieser Zeit rühren auch seine engen persönlichen Bande zur heutigen Außenministerin Rice. Vor einem Jahr war Zoellick aus dem Außenministerium ausgeschieden und zur Investmentbank Goldman Sachs gewechselt.

Wolfowitz hatte Mitte Mai seinen Rücktritt zum 30. Juni angekündigt. Er zog damit die Konsequenz aus der Affäre um die Beförderung seiner Lebensgefährtin innerhalb der Weltbank. Der frühere US-Vizeverteidigungsminister hatte sich erst nach langem Zögern internationalen Rücktrittsforderungen gebeugt. (tso/AFP)

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