Welternährungsgipfel : Zähe Verhandlungen - schwammiges Ergebnis

Der Welternährungsgipfel in Rom ist zu Ende. Ein Ergebnis: Die Zahl der Hungernden soll bis 2015 halbiert werden. Unklar ist, wie dies konkret geschehen soll. Beschlossen wurde auch, die Auswirkungen der Biosprit-Produktion näher zu untersuchen.

RomDie 193 Teilnehmerstaaten des Welternährungsgipfels in Rom haben sich in ihrem Schlussdokument darauf verständigt, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren. Zudem dürften Lebensmittel nicht als politische oder ökonomische Waffe eingesetzt werden, hieß es in dem am Donnerstagabend veröffentlichten Dokument. Insgesamt verpflichteten sich die Staaten zu Hilfen in Höhe von rund 6,5 Milliarden Dollar für den Kampf gegen Hunger und Armut. Zudem sollen die Auswirkungen der Biospritproduktion auf die Nahrungsmittelkrise näher erforscht werden.

Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) forderte, die globale Nahrungsmittelkrise müsse dauerhaft "ganz oben auf der Agenda der internationalen Gemeinschaft stehen". Von Rom gehe ein "wichtiger programmatischer Impuls aus", auf den sich die Weltgemeinschaft verständigen sollte.

In dem Abschlussdokument rufen die FAO-Teilnehmer die internationale Gemeinschaft auf, den internationalen freien Warenaustausch weiter zu verfolgen und Handelsbarrieren abzubauen. Der globale Aktionsrahmen unterscheidet zwischen Dringlichkeitsmaßnahmen und langfristigen Maßnahmen zur Überwindung der Nahrungskrise. Zu den Dringlichkeitsmaßnahmen zählen Nahrungsmittellieferungen in Hungergebiete, die Förderung der Produktion und die Verringerung von Einfuhrzöllen. Als langfristige Maßnahmen werden Förderprogramme für Kleinproduzenten, Forschungsförderung und Handelsabkommen angesehen. Weltweit leiden derzeit rund 850 Millionen Menschen an Unterernährung, bis 2030 müsste die Nahrungsmittelproduktion um 50 Prozent gesteigert werden.

Langfristige Maßnahmen gefordert

EU-Entwicklungskommissar Louis Michel warnte davor, sich unter dem Eindruck der aktuellen Krise zu sehr auf kurzfristige Maßnahmen zu verlegen. "Dringlichkeitshilfe hat ihre Grenzen und muss auf kurze Fristen begrenzt werden." Auf Dauer sei es wichtiger, die "strukturellen Ursachen" der Lebensmittelknappheit zu überwinden, etwa die Landnutzungsrechte, die Infrastruktur und die Handelsbedingungen.

Angesichts der widersprüchlichen Ansichten der Teilnehmerstaaten zur Biosprit-Produktion wurde laut FAO-Mitarbeitern ein Beschluss vorbereitet, die Auswirkungen dieser Produktion auf die Lebensmittelversorgung näher zu untersuchen. Bei den Biotreibstoffen vertreten die Hauptproduzenten - wie die USA und Brasilien - die Ansicht, dass sie nicht als direkte Ursache von Hunger und Unterernährung anzusehen sind.

Die Welthungerhilfe (WHH) bedauerte, dass in Rom nicht über die "entwicklungshemmenden Zoll- und Handelsbestimmungen der Industrienationen" diskutiert wurde. Dies sei "eine wichtige Ursache der Hungerkrise", sagte WHH-Ernährungsexperte Rafael Schneider. (ck/dpa/AFP)

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