Weltfinanzgipfel : G-20 einig über 50 Maßnahmen zur Regulierung der Finanzmärkte

Die Teilnehmer des Krisengipfels in Washington sind sich einig: Die Finanzmärkte müssen künftig unbedingt stärker reguliert werden, damit sich ein Desaster an den Finanzmärkten, wie es aktuell der Fall ist, nie mehr wiederholt. Umgesetzt werden sollen die Punkte allerdings erst bis Ende März.

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Die Gipfelteilnehmer bei den Beratungen -Foto: dpa

WashingtonAngesichts der Finanzkrise beschlossen die Staats- und Regierungschefs der G-20-Staaten eine strengere Kontrolle von Märkten, Produkten und Teilnehmern. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich am Samstag vor den Schlussberatungen zufrieden. Mit dem gemeinsamen Aktionsplan, der am Nachmittag verabschiedet werden sollte, zeige die Staatengemeinschaft, "dass sie handlungsfähig ist".

"Es ist das erste Mal, dass Schwellen- und Entwicklungsländer in dieser Art und Weise zusammentreffen und auch wirklich Nägel mit Köpfen machen", unterstrich Merkel. Sie kündigte an, dass bis Ende März rund 50 Maßnahmen umgesetzt und verwirklicht werden sollen. Dann werde es ein weiteres Treffen der G-20 geben. Diese Folgekonferenz könnte nach bisherigen Überlegungen in London stattfinden. Dann soll auch der künftige US-Präsident Barack Obama dabei sein, der am Treffen in Washington nicht teilnahm.

Nicht durchsetzten konnten sich die Europäer dagegen bislang mit ihrer Forderung nach einer stärkeren Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Beratung ber weitere Manahmen für die Realwirtschaft

Es gehe darum, dass die Marktteilnehmer, die Finanzprodukte und die Märkte insgesamt "reguliert und überwacht" werden. Es dürfe "keine blinden Flecken" mehr geben, "und genau das werden wir schaffen", gab sich die Kanzlerin optimistisch. Seitens der über 20 Staats- und Regierungschefs bestehe ein "großer gemeinsamer Wille sicherzustellen, dass sich eine solche Krise nicht wiederholt". Auch sei man sich einig, die Weltwirtschaft "schnellstmöglich wieder in Fahrt zu bringen" und dafür den freien Handel zu unterstützen. Ferner werden laut Merkel Programme bei der Weltbank angesiedelt, damit in den Entwicklungs- und Schwellenländern das Wirtschaftswachstum weitergehen könne.

Ende des Jahres sollen beim Europäischen Rat weitere gemeinsame Maßnahmen für die Real-Wirtschaft beraten werden, sagte Merkel weiter. SPD-Kanzlerkandidat und Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte in einem Vorstoß gemeinsame Maßnahmen der EU gefordert und vorgeschlagen.

Merkel äußerte sich zufrieden über den Ablauf des Weltfinanzgipfels, der auf Einladung von US-Präsident George W. Bush zustande gekommen war. Das G-20-Format zeige, dass Politik gestalte und "nicht die Exzesse der Märkte uns alles kaputt machen können", hob die Kanzlerin hervor. Dies habe das Treffen in Washington eindrucksvoll deutlich gemacht.

Laut deutschen Delegationskreisen hat man sich auf Bilanzierungsrichtlinien bei komplexen Finanzprodukten verständigt. Auch gebe es Empfehlungen zu Bonuszahlungen an Finanzmanager, um exzessive Auszahlungen zu verhindern. Rating-Agenturen sollen künftig transparenter arbeiten, Hedgefonds stärker überwacht und Steueroasen zur Kooperation verpflichtet werden. Auch die Eigenkapitalausstattung bei Risikoprodukten solle erhöht werden.

Schwellenländer wollen mehr Mitsprache

Der britische Premierminister Gordon Brown deutete Meinungsverschiedenheiten an: "Es gibt viele Länder mit ihren eigenen Interessen und ihren eigenen politischen Zielrichtungen." Aufstrebende Schwellenländer wie Brasilien verlangen stärkere Mitsprache. Die Teilnehmer des Gipfels repräsentieren rund 85 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. (imo/ddp/dpa)

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