Politik : Welthungerhilfe befürchtet tausende Hungertote in Darfur

Dagmar Dehmer

Berlin - Die Welthungerhilfe hat ihre Arbeit in weiten Teilen der westsudanesischen Krisenregion Darfur eingestellt. Wie schon andere Hilfsorganisationen vor ihr musste sie die Gebiete, die in Rebellenhand sind, verlassen. Der Grund: Die wichtigste Rebellenorganisation SLA hat sich gespalten, nachdem eine größere Fraktion am 5. Mai einen Friedensvertrag mit der Regierung in Khartum unterzeichnet hat. Johan van der Kamp, Regionalkoordinator der Welthungerhilfe, sagte dem Tagesspiegel: „De facto hat der Friedensvertrag alles nur noch schlimmer gemacht.“ Denn nun kämpfen die Rebellen gegeneinander.

Die Regierung macht nach van der Kamps Informationen keinerlei Anstalten, den Friedensvertrag umzusetzen. Ein wichtiger Bestandteil des Abkommens ist die Entwaffnung der arabischen Reitermilizen Dschandschawid, die seit mehr als drei Jahren mit Unterstützung der sudanesischen Armee die Dörfer in Darfur terrorisieren. Hunderttausende Menschen wurden getötet, rund 2,5 Millionen sind auf der Flucht. Van der Kamp sagt: „Wenn die Kämpfe zwischen den Rebellenfraktionen nicht bald aufhören, werden tausende Menschen verhungern.“ Anfang Mai haben sie ihre bisher letzte Monatsration bekommen – und auch die war schon vom Welternährungsprogramm (WFP) halbiert worden, weil nicht genügend Spenden für Darfur eingegangen waren.

Von den bisher 485 000 Menschen, die die Welthungerhilfe mit Nahrungsmitteln versorgt hat, erreicht sie nun noch 100 000 in von der Regierung gehaltenen Gebieten. Die Organisation befürchtet, dass es zu einer Massenflucht aus den Rebellengebieten kommen könnte. „Darauf sind wir aber überhaupt nicht eingerichtet“, sagt van der Kamp. Aus seiner Sicht war das Friedensabkommen schon bei seiner Unterzeichnung gescheitert. Die Entwaffnung lasse sich leicht umgehen. Und der Regierung kommen die Kämpfe zwischen den Rebellen gerade recht. Schließlich hatte sie jahrelang argumentiert, mit diesen Rebellen könne man kein Abkommen schließen.

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