Weltklimakonferenz : Kein Geld für ärmere Länder im Kampf gegen den Klimawandel

Trotz einer nächtlichen Marathonsitzung kommt von der Weltklimakonferenz in Posen nur wenig Schwung für den weiteren Klimaschutz. Umweltorganisationen sprechen von Stillstand.

Weltklimakonferenz
Ein indischer Bauer läuft durch sein vertrocknetes Reisfeld während einer Dürreperiode - eine Folge des Klimawandels. -Foto: dpa

PosenDie Weltklimakonferenz in Posen (Poznan) ist am Samstag nach zwei Wochen Verhandlungen in der Frage nach mehr Geld für ärmere Länder gescheitert. Die Vertreter der rund 190 Staaten konnten sich nicht darauf verständigen, ob und wie die bisherigen Mittel für einen Fonds zur Anpassung an den Klimawandel aufgestockt werden. Die Konferenz beschloss allerdings ein größeres Mitspracherecht der Entwicklungsländer für diesen Fonds.



Umweltschutzorganisationen sind unzufrieden



Nach einer nächtlichen Marathonsitzung ging das UN-Treffen am frühen Samstagmorgen zu Ende. Umweltschutzorganisationen zogen eine negative Bilanz. Die Weltgemeinschaft stellte damit die Weichen für die Verhandlungen im kommenden Jahr bis zur Klimakonferenz von Kopenhagen. Dort soll Ende 2009 ein Nachfolgevertrag für das Kyoto-Abkommen unter Dach und Fach kommen.

Als einen Kernpunkt von Posen vereinbarten die Staaten einen Zeit- und Arbeitsplan auf dem Weg dorthin. "Von jetzt an wird es ernst", sagte der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer. Mehrere Länder wie Indien, Gabun und die Malediven zeigten sich empört, dass der Fonds zur Anpassung der ärmeren Staaten an den Klimawandel nicht aufgestockt wurde. Der Vertreter Indiens sprach von Gleichgültigkeit und kritisierte, dass sich einige Länder geweigert hätten. Die ärmeren Staaten sollen künftig aber eine größere Mitsprache bei der Geldverteilung für den Fonds bekommen. Die Industrieländer hatten in dieser Frage zuvor eingelenkt.



"Nicht einmal ein Fortschrittchen"



Beim Kampf gegen die Zerstörung der Wälder gab es keine Fortschritte. Die EU machte deutlich, dass sie den Waldschutz vorantreiben will. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte noch vor Abschluss der Konferenz: "Posen hat die Ergebnisse erreicht, die wir hier erreichen konnten." EU-Umweltkommissar Stavros Dimas sprach von einem Erfolg. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hält das Ergebnis dagegen für bitter enttäuschend. "Das war nicht einmal ein Fortschrittchen für den Klimaschutz", sagte Greenpeace-Klimaexperte Tobias Münchmeyer.

Die Organisation Oxfam warnte: "Verzögerung tötet." Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten sich am Freitag in Brüssel auf ein umfangreiches Klimapaket geeinigt. "Ich bin sehr glücklich mit dem Ergebnis", sagte Gabriel. Der Chef des UN-Klimasekretariats sprach von einem "Zeichen der Entschlossenheit und des Mutes der Industrieländer". Das EU-Klimapaket werde dazu beitragen, die Welt zu einem ambitionierten Ergebnis auf der Konferenz in Kopenhagen zu bringen. Dimas forderte weitere Anstrengungen der Europäer. "Wir sollten uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen", sagte der EU-Kommissar.

Die EU will 30 Prozent des Treibhausgasausstoßes bis 2020 im Vergleich zu 1990 senken, wenn die Klimakonferenz in Kopenhagen erfolgreich ist. Dimas sagte, möglicherweise sei eine noch größere Senkung nötig. Die Umweltstiftung WWF kritisierte vor allem die Ausnahmeregelungen im Paket. Die EU müsse nur noch wenige Prozent der Treibhausgasreduktionen bis 2020 in Europa verwirklichen. Der Friedensnobelpreisträger Al Gore mahnte zum Handeln. "Wir müssen die Lähmung überwinden", sagte der ehemalige US-Vizepräsident. Angesichts schmelzender Gletscher, von Dürren, Stürmen und sich ausbreitenden Wüsten dürfe man keine Zeit mehr verlieren. (sg/dpa)

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