Politik : Weltnichtrauchertag: Viel Schall - wenig Rauch?

Carsten Germis

Marion Caspers-Merk, heute 46 Jahre alt und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, hat sich das Rauchen schon nach kurzer Zeit im Alter von 20 Jahren wieder abgewöhnt. Als Studentin fehlte ihr damals schlicht das Geld, berichtet sie. Anlass für das Bekenntnis der SPD-Politikerin in Berlin: der Weltnichtrauchertag an diesem Donnerstag.

Immerhin 40 Prozent aller Raucher in Deutschland wälzen den Gedanken hin und her, endlich mit dem Qualmen aufzuhören, heißt es in wissenschaftlichen Studien. Immer mehr von ihnen scheinen es zu schaffen, denn der Trend in der Bundesrepublik geht zum Nichtrauchen. Auch "immer mehr Jugendliche entscheiden sich relativ früh, überhaupt nicht zu rauchen, sagt CaspersMerk. Rauchten 1973 noch 48 Prozent der Jugendlichen, sind es heute nur noch 36 Prozent. 1979 gaben 31 Prozent der 12- bis 25-Jährigen an, noch nie geraucht zu haben. Heute sind es 50 Prozent.

Dennoch: Die jüngeren Jugendlichen von 12 bis 17 Jahren und vor allem die jungen Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren greifen immer öfter zur Zigarette. Tabak gehört mittlerweile für 28 Prozent der Jugendlichen zum Alltag. Immerhin zehn Prozent der 12- und 13-Jährigen greifen regelmäßig zur Zigarette. Bei den jungen Frauen stieg die Quote der Raucherinnen von 21,5 Prozent im Jahr 1995 auf mittlerweile 25,1 Prozent.

Die Drogenbeaufragte hat zum Weltnichtrauchertag aber nicht nur neue Statistiken vorgestellt. Sie will auch praktisch etwas tun. In einem Brief an alle Abgeordneten der rotgrünen Koalitionsfraktionen warb sie dafür, am Donnerstag im Bundestag einem Antrag zuzustimmen, mit dem Nichtraucher am Arbeitsplatz besser geschützt werden sollen. Im Antrag, der fraktionenübergreifend von 250 Parlamentariern eingebracht wurde, wird Sozialminister Walter Riester (SPD) aufgefordert, die Arbeitsstättenverordnung zu ändern. Danach hat der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass "die nicht rauchenden Beschäftigten vor Gesundheitsgefahren durch Tabakrauch geschützt sind". Ein gewichtiger Volksvertreter hat bereits Widerstand angekündigt: Pfeifenraucher Peter Struck, Chef der SPD-Fraktion, will mit Nein stimmen.

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