Politik : Weltweite Empörung über Foltermord in Birma

Rangun - Die Nachricht über den Foltertod eines Oppositionspolitikers in Birma hat weltweit Empörung ausgelöst. Win Shwe (42), Mitglied der Oppositionspartei NLD, ist nach Informationen einer Menschenrechtsorganisation in Mandalay in Polizeigewahrsam ermordet worden. Die Partei konnte die Angaben am Donnerstag selbst nicht bestätigten. Sämtliche Kommunikationsverbindungen seien unterbrochen, sagte ein Sprecher der NLD-Zentrale in Rangun.

Nach Informationen des Hilfsverbandes für politische Gefangene (AAPP) in Thailand wurde Win Shwe nach den Massenprotesten gegen die Militärjunta am 26. September festgenommen. Seine Familie sei diese Woche über seinen Tod unterrichtet worden. Seine Leiche sei bereits eingeäschert worden. Familienmitglieder bestätigten der BBC diese Angaben. „Er starb als Folge der Folter“, teilte die AAPP mit.

Das Weiße Haus forderte volle Aufklärung. „Die USA verurteilen die Gräueltaten der Junta scharf“, sagte ein Sprecher. Der UN-Sicherheitsrat will auf Druck von China und Russland auf eine Verurteilung der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste in Birma verzichten. Nach Diplomatenangaben einigten sich die UN-Botschafter der 15 Mitgliedstaaten in New York nach zähen Verhandlungen auf eine Erklärung, die das Vorgehen der Militärregierung „nachhaltig bedauert“, aber nicht „verurteilt“. Der Text sollte am Donnerstag formell verabschiedet werden.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation wurden in den vergangenen Tagen im Pazundaung-Fluss in Rangun Leichen von Mönchen entdeckt. Das Regime spricht bislang lediglich von zehn Toten bei der Niederschlagung des Aufstands in der letzten Septemberwoche. Dissidenten gehen dagegen inzwischen von mehr als 200 Opfern aus. Tausende Mönche und Zivilisten sind nach Dissidentenangaben verschwunden und werden in Internierungslagern des Militärs vermutet.

Unterdessen berichtete die UN-Organisation zur Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in Wien, dass in Birma nach Jahren der erfolgreichen Drogenbekämpfung erstmals wieder mehr Opium angebaut wurde. Die Anbaufläche für Mohn vergrößerte sich um 29 Prozent auf 27 700 Hektar. Wegen einer guten Ernte sei die Opiumproduktion um 46 Prozent gestiegen. Birma ist der zweitgrößte Opiumproduzent der Welt hinter Afghanistan. dpa/AFP

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben